Du hast Hashimoto und das Gefühl, dass du nur Luft anschaust und zunimmst? Dass du trotz L-Thyroxin müde bist, Gewicht nicht verlierst und dich fragst, ob die Ernährung irgendetwas bewirken kann?
Die gute Nachricht: Ja, Ernährung kann einen Unterschied machen, auch wenn sie keine Medikamente ersetzen kann. Aktuelle Studien zeigen zunehmend, dass bestimmte Ernährungsstrategien nicht nur das Gewicht positiv beeinflussen, sondern auch Schilddrüsenwerte, Antikörperspiegel und das allgemeine Wohlbefinden verbessern können.
Die ehrliche Nachricht: Es gibt keinen Wunderbrei. Und nicht jede Strategie funktioniert für jede Frau gleich. Aber es gibt deutliche Hinweise, wo es sich lohnt, anzusetzen.
Dieser Artikel ist eine Orientierungshilfe. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und gerade bei Hashimoto gilt: Bitte immer mit deiner Ärztin absprechen, was für dich passt.
Was ist Hashimoto eigentlich und warum ist es so ein Ernährungsthema?
Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift. Die Folge ist eine chronische Entzündung des Schilddrüsengewebes, die langfristig zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) führt. In Deutschland sind schätzungsweise 8 % der Bevölkerung betroffen. Dabei erkranken Frauen fünf- bis zehnmal häufiger als Männer. Besonders tückisch: Hashimoto wird oft erst spät erkannt, wenn die Schilddrüse schon deutlich in Mitleidenschaft gezogen ist.
Was hat das mit Ernährung zu tun? Hashimoto ist im Kern eine Entzündungserkrankung. Und genau da setzt die Ernährung an. Zwar nicht als Heilung, aber als echter Hebel zur Unterstützung. Bestimmte Lebensmittel können Entzündungsprozesse im Körper befeuern, andere können sie dämpfen. Das ist der eigentliche Kern hinter all den Ernährungsempfehlungen, die du vielleicht schon gehört hast und die manchmal widersprüchlich wirken.
Warum ist Abnehmen bei Hashimoto so viel schwerer?
Das ist keine Einbildung. Studien belegen es.
Bei Hypothyreose ist der Grundumsatz reduziert, der Körper verbrennt in Ruhe schlicht weniger Kalorien. Hinzu kommt eine erhöhte Insulinresistenz: Zellen reagieren schlechter auf Insulin, was die Fettverbrennung hemmt und das Risiko für metabolisches Syndrom erhöht. Eine Metaanalyse zeigte, dass subklinische Hypothyreose signifikant mit einem erhöhten Risiko für metabolisches Syndrom assoziiert ist, also mit erhöhten Triglyceridwerten, niedrigem HDL-Cholesterin und erhöhtem Blutdruck. Frauen scheinen dabei stärker betroffen zu sein als Männer.
Und noch etwas, das selten besprochen wird: Gerade zu Beginn einer L-Thyroxin-Therapie, wenn die Schilddrüse noch nicht optimal eingestellt ist, läuft der Stoffwechsel auf Sparflamme. Der Körper hält so viel wie möglich fest. Das macht Abnehmen in dieser Phase besonders zäh und erklärt, warum klassische Kaloriendiäten bei Hashimoto oft nicht den erhofften Effekt zeigen. Es geht nicht nur um Kalorien rein und Kalorien raus, sondern um hormonelle und immunologische Prozesse, die im Hintergrund laufen.
Was sagt die aktuelle Forschung zur Ernährung bei Hashimoto?
1. Eliminationsdiät: ein vielversprechender Ansatz
Eine der interessantesten Studien der letzten Jahre kommt von Ostrowska et al. (2021, Nutrients). 100 Frauen mit Hashimoto und Übergewicht wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe folgte einer individualisierten Eliminationsdiät, die andere einer klassischen Kalorienreduktionsdiät mit gleicher Kalorienmenge und gleicher Makronährstoffverteilung (25 % Protein, 30 % Fett, 45 % Kohlenhydrate). Nach sechs Monaten war der Unterschied deutlich: Die Eliminationsdiät-Gruppe hatte signifikant mehr BMI-Verlust und mehr Körperfettabbau. Der TSH-Wert sank stärker, fT3 und fT4 stiegen stärker an. Und die Antikörperspiegel, also Anti-TPO und Anti-TG, die bei Hashimoto typischerweise erhöht sind, sanken in der Eliminationsdiät-Gruppe deutlich stärker als in der Kontrollgruppe.
Kurz gesagt: Gleiche Kalorien, aber eine gezieltere Lebensmittelauswahl und deutlich bessere Ergebnisse auf ganzer Linie.
Wie funktioniert die Eliminationsdiät konkret?
In der Studie wurden die Frauen zunächst auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten der Klasse IgG1–3 getestet. Das sind Antikörper, die auf chronische, oft schleichende Reaktionen auf Lebensmittel hinweisen. Basierend auf diesen individuellen Tests wurden dann die problematischen Lebensmittel aus dem Speiseplan gestrichen. Am häufigsten betroffen waren Milch und Milchprodukte, Weizen und andere glutenhaltige Getreide, Eier, Nüsse sowie bestimmte Gemüse- und Obstsorten.
Wir machen beim Body Re:Set Kurs eine ähnliche Eliminationsdiät mit dem Unterschied, dass wir keine individuellen IgG-Tests vor dem Kurs machen, sondern erfahrungsgemäß die Lebensmittel weglassen, auf die am häufigsten reagiert wird: Alkohol, rotes Fleisch, Zucker, Milchprodukte, Koffein, Gluten und Fruchtzucker. Über 21 Tage, schrittweise eingeführt. Das Grundprinzip ist dasselbe wie in der Studie: raus mit potenziellen Entzündungsauslösern, rein mit echter, nährstoffreicher Nahrung.
Was kannst du während einer Eliminationsdiät gut essen?
Während potenziell problematische Lebensmittel pausieren, gibt es eine ganze Welt an Lebensmitteln, die du in vollen Zügen genießen kannst und die deinem Körper aktiv guttun. Im Mittelpunkt stehen naturbelassene, möglichst unverarbeitete Lebensmittel: viel frisches Gemüse in allen Farben, Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und schwarze Bohnen, glutenfreie Vollkornprodukte wie Buchweizen, Hirse, Quinoa und Hafer (wenn Hafer vertragen wird), fetter Fisch wie Lachs, Makrele und Sardinen, hochwertiges Geflügel, Eier (wenn keine Unverträglichkeit vorliegt), Nüsse und Samen wie Leinsamen, Kürbiskerne und Sonnenblumenkerne, Avocado und Olivenöl als hochwertige Fettquellen sowie frische Kräuter und Gewürze. Wer Milchprodukte weglässt, kann auf pflanzliche Alternativen wie Erbsen-, Mandel-, Hafer- oder Kokosmilch zurückgreifen und auf Varianten ohne Zuckerzusatz achten.
2. Glutenfrei: für wen macht es wirklich Sinn?
Gluten ist bei Hashimoto ein Dauerthema in Ratgebern, Foren und sozialen Medien. Die Forschungslage ist jedoch differenzierter, als oft dargestellt wird und ehrlich ist das die Botschaft, die ich dir mitgeben möchte.
Was die Studien sagen: Glutenfreie Diäten können bei Hashimoto-Patientinnen die Anti-TPO- und Anti-TG-Antikörperwerte senken und die Vitamin-D-Spiegel verbessern. Zumindest bei Frauen, die nicht gleichzeitig L-Thyroxin nehmen. Eine generelle Empfehlung für alle Hashimoto-Patientinnen gibt es auf Basis der aktuellen Studienlage jedoch nicht. Glutenfrei macht vor allem dann Sinn, wenn du gleichzeitig eine Zöliakie oder nachgewiesene Glutensensitivität hast, wenn du unter ungeklärten Verdauungsbeschwerden leidest, die auf Gluten hinweisen könnten, oder wenn du es im Selbstversuch – am besten nach Rücksprache mit deiner Ärztin – über mehrere Wochen ausprobieren möchtest. Zöliakie und Hashimoto treten übrigens häufig gemeinsam auf, da beide Autoimmunerkrankungen sind. Wenn du Verdauungsprobleme hast, lohnt es sich, das gezielt abklären zu lassen.
Was kannst du bei glutenfreier Ernährung gut essen?
Glutenfrei bedeutet nicht Verzicht, es bedeutet eine Verschiebung hin zu anderen Getreidesorten und Kohlenhydratquellen, die von Natur aus kein Gluten enthalten. Quinoa ist dabei ein echter Star: Es ist reich an Eiweiß, Eisen und Magnesium und lässt sich sowohl warm als auch kalt in Salaten verwenden. Buchweizen (trotz seines Namens komplett glutenfrei) eignet sich hervorragend für Pfannkuchen, Porridge oder als Beilage. Hirse ist mild im Geschmack, reich an Magnesium und gut verträglich. Kartoffeln und Süßkartoffeln liefern komplexe Kohlenhydrate und sättigen lange. Reis, egal ob weiß, braun oder als Reisnudeln, ist ein bewährter Alltagsbegleiter. Dazu kommen Mais, Tapioka, Amaranth und alle Hülsenfrüchte als natürlich glutenfreie Kohlenhydratquellen. Auch glutenfreies Sauerteigbrot aus Buchweizen- oder Reismehl ist eine leckere Alternative, die du inzwischen in vielen Bäckereien und Bioläden findest.
3. Laktosefrei – besonders relevant bei L-Thyroxin
Dieser Punkt wird oft übersehen und ist dabei so wichtig: Studien zeigen, dass eine laktosefreie Ernährung bei Hashimoto-Patientinnen, die Levothyroxin nehmen und an Laktoseintoleranz leiden, zu einer verbesserten TSH-Regulation führen kann. Der Grund liegt in der Resorption: Lactose selbst und auch Laktoseintoleranz können die Aufnahme von L-Thyroxin im Darm beeinträchtigen. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass Menschen mit (unbehandelter oder unerkannter) Lactoseintoleranz L-Thyroxin schlechter über den Darm aufnehmen. Das liegt vermutlich an Veränderungen der Darmschleimhaut bzw. der Darmflora, die mit der Lactoseintoleranz einhergehen.
Außerdem: Wer unbehandelt lactoseintolerant ist und morgens seine Tablette nimmt und dann Milch im Kaffee trinkt, nimmt möglicherweise weniger Wirkstoff auf als gedacht, was sich in einem schlechter eingestellten TSH-Wert zeigen kann, ohne dass die Dosis schuld ist. Bei ausgeprägter Lactoseintoleranz kann es theoretisch zu Verdauungsbeschwerden führen, was dann mit einer verminderten Aufnahme einhergeht.
Auch hier gilt: Nicht jede Frau mit Hashimoto ist laktoseintolerant. Aber wenn du trotz guter Medikamenten-Compliance nicht gut eingestellt bist, könnte das ein Faktor sein, der sich lohnt zu untersuchen.
Was kannst du bei laktosefreier Ernährung gut essen?
Laktosefrei zu leben ist heute einfacher als je zuvor. Alle pflanzlichen Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Fleisch, Fisch und Eier sind von Natur aus laktosefrei. Bei Milchprodukten gibt es drei Wege: Erstens laktosefreie Varianten derselben Produkte (laktosefreie Milch, laktosefreier Joghurt, laktosefreier Quark), die genauso schmecken und genutzt werden können wie die originalen Produkte. Zweitens: gereifte Käsesorten wie Parmesan, Bergkäse, Gouda oder Gruyère, die von Natur aus sehr wenig bis keine Laktose enthalten und von den meisten Betroffenen gut vertragen werden. Und drittens pflanzliche Alternativen: Erbsendrink, Haferdrink, Mandeldrink, Reisdrink, Kokosmilch und Sojadrink als Milchersatz sowie Cashewjoghurt, Kokosjoghurt oder Sojajoghurt als Joghurt-Alternative.
4. Antiinflammatorische Ernährung – das große Bild
Hashimoto ist eine chronische Entzündungserkrankung. Eine Ernährung, die systemische Entzündung senkt, ist deshalb kein Umweg, sondern der direkteste Weg, den du über den Alltag gehen kannst. Eine klinische Studie, vorgestellt auf dem Europäischen Kongress für Endokrinologie 2024, untersuchte die Wirkung einer modifizierten mediterranen Diät bei Hashimoto: Antikörperwerte sanken, Entzündungsmarker verbesserten sich.
Das Prinzip der antiinflammatorischen Ernährung ist dabei gar nicht kompliziert: Es geht darum, dem Körper möglichst viele Substanzen zu geben, die Entzündungsprozesse hemmen und möglichst wenige zuzuführen, die sie befeuern. Zucker und hochverarbeitete Lebensmittel, Transfette aus Fertigprodukten und Fast Food, Alkohol und rotes Fleisch in großen Mengen stehen auf der einen Seite der Waage. Auf der anderen Seite stehen die echten Entzündungshemmer.
Was kannst du bei antientzündlicher Ernährung gut essen?
Der absolute Star unter den entzündungshemmenden Nährstoffen sind die Omega-3-Fettsäuren, die du vor allem in fettem Seefisch findest: Lachs, Makrele, Hering und Sardinen zwei- bis dreimal pro Woche sind eine ausgezeichnete Wahl. Wer keinen Fisch mag oder isst, findet Omega-3 auch in Leinsamen, Chiasamen und Walnüssen, wobei die pflanzliche Form (ALA) vom Körper weniger gut in die aktiven Formen EPA und DHA umgewandelt wird.
Olivenöl (idealerweise kalt gepresst, natives extra) ist dein bester Freund in der Küche. Es enthält zwar überwiegend einfach ungesättigte Fettsäuren, dafür aber Oleocanthal, eine Verbindung mit ähnlichen entzündungshemmenden Eigenschaften wie Ibuprofen, nur eben in Lebensmittelmengen. Verwende es großzügig auf Salaten und zum Verfeinern warmer Gerichte. Wir sagen immer: nutze Olivenöl wie eine Italienerin, also großzügigst.
Dunkelgrünes Blattgemüse wie Spinat, Grünkohl, Mangold und Rucola liefert Magnesium, Folsäure und sekundäre Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend wirken. Beeren wie Heidelbeeren, Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren sind reich an Polyphenolen und Antioxidantien und dabei zuckerarm genug, um sie täglich zu essen. Hülsenfrüchte in allen Varianten liefern Ballaststoffe, die das Darmmikrobiom nähren und so Entzündungsprozesse auf Darmniveau regulieren. Kurkuma, Ingwer, Zimt und frische Kräuter wie Rosmarin und Thymian sind ebenfalls echte Entzündungshemmer und können großzügig in der täglichen Küche eingesetzt werden.
5. Phytoöstrogene – besonders relevant wenn Hashimoto auf Wechseljahre trifft
Viele Frauen haben beides: Hashimoto und Wechseljahresbeschwerden. Sinkende Östrogenspiegel, eine schwächelnde Schilddrüse und ein überaktives Immunsystem, das klingt nach viel. Ist es auch. Aber es gibt eine gute Botschaft: Viele Ernährungsstrategien, die bei Hashimoto helfen, können auch helfen, besser durch die Wechseljahre zu kommen.
Pflanzliche Lebensmittel wie Leinsamen, Sesam, Sojaprodukte, Hülsenfrüchte und Vollkorn enthalten Phytoöstrogene. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zwar an Östrogenrezeptoren andocken, aber modulierend (ausgleichend) wirken, weil sie überschüssiges Östrogen daran hindern, an den Rezeptoren anzudocken. Sie können sowohl Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen mildern als auch über ihre entzündungshemmenden Eigenschaften Hashimoto positiv beeinflussen.
Hinzu kommt der Ballaststoffeffekt: Eine ballaststoffreiche Ernährung sorgt dafür, dass überschüssige Östrogene besser über den Darm ausgeschieden werden, was den Hormonspiegel regulieren kann. Und das sogenannte Östrobolom (spezifische Darmbakterien, die aktiv am Hormonstoffwechsel beteiligt sind) profitiert direkt von einer pflanzenbetonten Kost. Kurz: Wer gut für seine Darmflora sorgt, sorgt auch für seinen Hormonstoffwechsel. Eine Wechselwirkung, die bei Hashimoto und in den Wechseljahren gleichzeitig relevant ist.
Viele Frauen, die den Body Re:Set Kurs gemacht haben und gleichzeitig Hashimoto haben, berichten genau das: Eine pflanzenbetonte Kost, die reich an Phytoöstrogenen ist, kann das Blutungsmuster verändern, Hitzewallungen mildern und gleichzeitig die Schilddrüse unterstützen. Das klingt vielleicht nach einem Widerspruch, ist es aber nicht. Es ist derselbe Mechanismus aus zwei Blickwinkeln: weniger Entzündung, besser regulierte Hormone, ein Darm, der wieder richtig arbeitet.
Wir haben hier einen sehr eindrücklichen Erfahrungbereicht einer Teilnehmerin des Body Reset Kurses. Das ist natürlich immer eine ganz individuelle Sache.
Was kannst du essen, um Phytoöstrogene und eine gute Darmflora zu fördern?
Leinsamen sind die einfachste und wirksamste Quelle für Phytoöstrogene: Täglich ein bis zwei Esslöffel frisch geschrotete Leinsamen auf dem Porridge, im Smoothie oder über den Salat reichen vollkommen aus. Sesam und Sesampaste (Tahini) sind eine weitere unkomplizierte Quelle, die sich wunderbar in Dressings, Dips und Saucen einbauen lässt. Sojaprodukte wie Tofu, Tempeh und Edamame liefern nicht nur Phytoöstrogene, sondern auch hochwertiges pflanzliches Protein. Tempeh ist dabei besonders interessant, weil es fermentiert ist und gleichzeitig das Darmmikrobiom unterstützt. Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi, Kefir (wenn Laktose vertragen wird) oder Kombucha sind generell echte Verbündete für das Östrobolom und die Darmflora.
6. Intermittierendes Fasten – ein cleverer Hebel gegen Insulinresistenz
Eine randomisierte Studie verglich intermittierendes Fasten (alternierende Fastentage) mit täglicher Kalorienrestriktion bei Frauen mit subklinischer Hypothyreose. Nach sechs Monaten war der Gewichtsverlust in beiden Gruppen ähnlich, jeweils etwa 7 bis 8 Prozent des Körpergewichts. Aber die Insulinresistenz verbesserte sich in der Fastengruppe deutlich stärker als in der Kalorienrestriktionsgruppe.
Das ist der entscheidende Punkt: Bei Hashimoto geht es nicht nur darum, weniger zu essen, sondern darum, den Insulinstoffwechsel zu regulieren. Und genau da scheint intermittierendes Fasten einen Vorteil zu haben, der über die reine Kalorienreduktion hinausgeht.
Für Frauen mit Hashimoto und Insulinresistenz könnte intermittierendes Fasten also besonders effektiv sein. Das ist aber eine Strategie, die du unbedingt mit deiner Ärztin besprechen solltest, besonders wenn du L-Thyroxin nimmst, da die korrekte zeitliche Einnahme des Medikaments (nüchtern, 30–60 Minuten vor dem ersten Essen) beim Fasten genau im Blick behalten werden muss.
Was isst du beim intermittierenden Fasten innerhalb des Essensfensters?
Die Qualität der Mahlzeiten innerhalb des Essensfensters ist entscheidend. Das Essensfenster (typischerweise 8 Stunden) nutzt du am besten mit nährstoffdichten, sättigenden Lebensmitteln: eiweißreiche Mahlzeiten aus Hülsenfrüchten, Fisch, Geflügel oder Eiern, kombiniert mit viel Gemüse und gesunden Fetten. Gute Frühstücksoptionen für den Einstieg ins Essensfenster sind zum Beispiel ein Gemüseomelett mit Avocado, ein Porridge aus Buchweizen oder Quinoa mit Leinsamen und Beeren oder ein großer Salat mit Lachs und Olivenöl-Dressing. Zuckerreiche Snacks und verarbeitete Lebensmittel haben auch innerhalb des Essensfensters nichts zu suchen, sie torpedieren den Insulineffekt, der der eigentliche Nutzen des Fastens ist.
Mikronährstoffe: Die wichtigen Drei bei Hashimoto
Selen – der Schilddrüsen-Schutzstoff
Selen ist essenziell für die Schilddrüse: Es ist Kofaktor für die Enzyme, die T4 in das aktive T3 umwandeln, und schützt das Schilddrüsengewebe vor oxidativem Stress. Eine systematische Metaanalyse von Huwiler et al. (2024) mit 32 randomisierten, placebokontrollierten Studien zeigte, dass eine Selen-Supplementierung von 200 µg täglich die Anti-TPO-Antikörper signifikant um 20 bis 40 Prozent im Vergleich zu Placebo senkt.
Aber, und das ist wichtig, die klinische Relevanz ist noch nicht vollständig geklärt. Sinkende Antikörperwerte bedeuten nicht automatisch weniger Symptome. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie empfiehlt keine generelle Selen-Supplementierung. Unkontrolliertes Hochdosieren ist nicht sinnvoll: Zu viel Selen ist toxisch und kann das Diabetesrisiko erhöhen. Wer einen nachgewiesenen Selenmangel hat oder trotz guter Schilddrüseneinstellung noch Beschwerden hat, kann mit ärztlicher Begleitung einen Versuch wagen.
Selenreiche Lebensmittel: Paranüsse sind die mit Abstand reichste natürliche Selenquelle: ein bis zwei Paranüsse täglich decken bereits den gesamten Tagesbedarf. Aber wir können trotzdem keine Paranüsse empfehlen. Paranüsse reichern natürlicherweise das radioaktive Element Radium in hohem Maße an. Während der maßvolle Verzehr für gesunde Erwachsene wohl unbedenklich ist, raten die Behörden wie das Bundesinstitut für Risikobewertung Kindern, Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden vorsorglich komplett vom Verzehr ab. Hinzu kommt, dass die Nüsse aufgrund ihrer Herkunft anfällig für Schimmelpilze sind, die extrem giftige und krebserregende Aflatoxine bilden können.
Selen findest du in höheren Konzentrationen in tierischen Lebensmitteln wie Eiern, Sardinen und Leber sowie in Hülsenfrüchten wie Linsen, Sojabohnen und weißen Bohnen und in Vollkorngetreide und Sonnenblumenkernen.
Vitamin D – das Immunsystem-Hormon
Vitamin-D-Mangel ist bei Hashimoto-Patientinnen häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Eine Supplementierungsstudie (Safari et al., 2023) zeigte: Vitamin-D-Gabe führte zu einer signifikanten Senkung von TSH und Gesamtcholesterin sowie zu einer Verbesserung der Körperzusammensetzung: mehr Muskelmasse, weniger Körperfett. Vitamin D ist kein klassisches Vitamin, sondern wirkt im Körper wie ein Hormon und ist direkt an der Regulierung des Immunsystems beteiligt. Deshalb macht ein Mangel bei einer Autoimmunerkrankung wie Hashimoto doppelt Sinn, ihn zu behandeln.
Lass deinen Vitamin-D-Spiegel messen, das geht ganz einfach über eine Blutuntersuchung bei deiner Ärztin. Gerade in Deutschland, besonders im Winter und bei wenig Aufenthalt im Freien, ist ein Mangel weit verbreitet.
Vitamin-D-reiche Lebensmittel: Fetter Seefisch wie Lachs, Hering und Makrele ist die beste natürliche Nahrungsquelle. Auch Eier, insbesondere das Eigelb, sowie bestimmte Speisepilze (besonders wenn sie UV-Licht ausgesetzt waren) liefern etwas Vitamin D. Da die Mengen über Nahrung allein oft nicht ausreichen, besonders in sonnenarmen Monaten, ist eine Supplementierung bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll und wissenschaftlich gut belegt.
Jod – die komplizierte Beziehung
Jod ist ein essenzieller Baustein der Schilddrüsenhormone, klar braucht die Schilddrüse Jod. Aber bei Hashimoto ist die Balance entscheidend. Sehr hohe Jodmengen können die Entzündungsaktivität in der Schilddrüse verstärken und Hashimoto-Schübe begünstigen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass du Jod komplett meiden sollst. Eine normale Ernährung mit jodiertem Speisesalz und gelegentlichem Fischkonsum ist kein Problem und sollte auch bei Hashimoto kein Grund zur Sorge sein. Was du vermeiden solltest, sind hochdosierte Jodpräparate sowie Algenprodukte mit sehr hohem Jodgehalt, allen voran Kelp-Algen, die extrem hohe Jodmengen enthalten können. Auch Nahrungsergänzungsmittel, die „Jod für die Schilddrüse“ bewerben, solltest du bei Hashimoto nicht unkritisch einnehmen. Im Zweifel gilt: Ärztin fragen.
Was ist mit dem Body Re:Set und Hashimoto?
Viele Frauen, die am Body Re:Set Kurs teilnehmen, haben Hashimoto. Und sie berichten, dass sie Veränderungen bemerken: geringere Müdigkeit, ein leichteres Gefühl, manchmal veränderte Blutwerte.
Was dahintersteckt: Der Body Re:Set ist im Kern eine Eliminationsdiät: ohne Alkohol, rotes Fleisch, Zucker, Milchprodukte, Koffein, Gluten und Fruchtzucker, über 21 Tage, schrittweise eingeführt. Genau das Prinzip, das auch die Ostrowska-Studie untersucht hat.
Ein wichtiger Hinweis: Der Body Re:Set Kurs ist kein Hashimoto-Therapieprogramm und ersetzt keine ärztliche Behandlung oder Medikamente. Er kann aber, gerade bei Frauen mit Hashimoto, ein wirksamer erster Schritt sein, um entzündungsfördernde Lebensmittel zu identifizieren und eine antientzündliche Ernährungsweise zu etablieren. Wenn du Hashimoto hast und über den Kurs nachdenkst: Bitte sprich das vorher mit deiner Ärztin durch.
Hashimoto und Wechseljahre: eine doppelte Herausforderung
Hashimoto trifft viele Frauen genau dann, wenn auch die Wechseljahre beginnen. Sinkende Östrogenspiegel, eine schwächelnde Schilddrüse und ein überaktives Immunsystem, das klingt nach viel. Ist es auch. Aber hier ist die gute Botschaft: Viele Ernährungsstrategien, die bei Hashimoto helfen, helfen auch in den Wechseljahren und umgekehrt. Entzündungshemmende Ernährung, Phytoöstrogene, Darmgesundheit, Vitamin D: das sind Themen, die beide Herausforderungen gleichzeitig adressieren.
Wenn du in dieser Lebensphase bist und merkst, dass Hitzewallungen, Erschöpfung und Bauchfett gleichzeitig auftreten: Das ist kein Versagen deiner Willenskraft. Das sind zwei ineinandergreifende hormonelle Prozesse. Die Ernährung ist ein echter Verbündeter, aber sie braucht Zeit und Konsequenz.
Ein wichtiger Hinweis zum Schluss
Ernährung bei Hashimoto ist kein Sprint. Sie ist auch kein Ersatz für L-Thyroxin oder eine gute Schilddrüseneinstellung durch deine Ärztin. Aber sie ist ein echter, wissenschaftlich belegter Hebel, besonders wenn klassische Ansätze nicht den erhofften Effekt zeigen.
Lass deine Werte regelmäßig kontrollieren, besprich Ergänzungsmittel wie Selen oder Vitamin D mit deiner Ärztin, und gib deinem Körper Zeit. Drei Wochen Eliminationsdiät können zeigen, was dir gut tut und das ist oft mehr wert als jeder Test.
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Quellen
- The Influence of Reducing Diets on Changes in Thyroid Parameters in Women Suffering from Obesity and Hashimoto’s Disease (2021)
- Effects of vitamin D supplementation on metabolic parameters, serum irisin and obesity values in women with subclinical hypothyroidism: a double-blind randomized controlled trial (2023)
- Selenium Supplementation in Patients with Hashimoto Thyroiditis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials (2024)
- Weight loss efficacy of alternate day fasting versus daily calorie restriction in subjects with subclinical hypothyroidism: a secondary analysis (2021)
- The association between subclinical hypothyroidism and metabolic syndrome: an update meta-analysis of observational studies (2021)
- Hashimoto ganzheitlich betrachten: Wie Ernährung, Darmgesundheit und Bewegung die Autoimmunerkrankung beeinflussen (2026)
- Selen-Supplementierung bei Hashimoto-Thyreoiditis: Systematische Reviews und Metaanalysen zur Wirkung auf Schilddrüsen-Autoantikörper (2026)
- Hashimoto-Thyreoiditis – Mit einem Masterplan gegen die Erkrankung (2026)
- Ernährungstherapie bei Hashimoto-Thyreoiditis (2026)
- Aktuelle Studie: Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis – Was bringen spezielle Diäten? (2023)
- Hashimoto & Ernährung: So linderst du die Entzündungen (2026)
- Hashimoto: Neue Studien zeigen überraschende Ernährungseffekte (2026)
- Selen, Zink, Eisen und B-Vitamine bei Hashimoto-Thyreoiditis (o. J.)
- Glutenfreie Ernährung bei Hashimoto Thyreoiditis (2022)
- Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis: Entzündungshemmend essen (2026)

2 Kommentare
Liebes NOBODYTOLDME-Team, liebe Susanne!
Ich bin begeistert von diesem Summary-auf den Punkt gebrachte, wissenschaftlich fundierte Informationen, die ich brauche!
Persönlich als Frau in den Wechseljahren mit HASHIMOTO, Laktoseintoleranz, erhöhten Triglizeriden etc., Verdauungsproblemen und unbeeinflussbarem Bauch (ich sehe immer aus, wie im 6. Monat Schwanger)- aber auch beruflich:
Viele meiner Patientinnen fragen mich, was sie begleitend zur Therapie in meiner Praxis unterstützend tun können, um den Körper bei der Ausheilung subklinischer, chronisch aktivierter Immunreaktionen (silent inflammation) zu unterstützen!
Hier habe ich ein nice tool für Interessierte an der Hand, auch mit universell positiven Auswirkungen im Sinne der Prävention und kann die Patientinnen zusätzlich zu der Behandlung in meiner Praxis auf diesen Artikel (und natürlich weiterhin auf den Body Reset) hinweisen!
MEGA !
Dr. Viri Schwarze, ENDOSCHWARZE
Danke, Viri.