WECHSELJAHRE ERKLÄRT IN 5 MINUTEN

In Deutschland kommt eine Frau mit ca. 51 Jahren in die Wechseljahre. Sie hat dann immer weniger Eizellen und damit auch weniger Sexualhormone

Kurz gesagt sind die Wechseljahre die Umkehr der Pubertät. Unsere Fähigkeit, Kinder gebären zu können, wird wieder zurückgebaut. Und das kann körperlich und psychisch genauso turbulent zugehen, wie einst der Aufbau all dessen, was man mit Weiblichkeit assoziiert. Ist es eine Krankheit? Nein, genauso wenig wie die Pubertät eine ist. Kann es uns selbst und die Menschen um uns herum an den Rande des Wahnsinns treiben? Ja. Absolut. Es ist kein Zufall, dass die meisten Suizide bei Frauen in Deutschland im Alter zwischen 50 und 55 Jahren geschehen. Ich schreibe das hier nicht, um Panik zu entfachen, es zeigt nur, dass da einiges zusammen kommen kann in der Lebensmitte.

„… ich erzähl Ihnen mal was ganz anderes: eine Frau, die der fröhlichste und optimistischste Mensch ist, den ich kenne, wachte eines Morgens auf, schritt in ihre Küche, griff sich ein großes Messer – sie ist eine Sterneköchin – mit der Absicht, es sich mitten ins Herz zu rammen. Das ist Menopause.“

Mary Ruefle, „Pause“ in Granta

Ganz genau genommen ist die Menopause auch nur EIN Tag im Leben einer Frau. Nämlich rückwirkend der Tag, nach dem wir 12 Monate lang keine Regelblutung mehr hatten. Ja, ihr habt richtig gelesen: wenn ihr zwölf Monate lang keine Regelblutung mehr hattet, dann könnt ihr im Nachhinein sagen, dass ihr die Menopause erlebt habt. Es kann euch auch passieren, dass bei euch zwischendurch schon mal für ein paar Monate die Periode ausbleibt. Dies kann dann gefolgt sein von sehr lang anhaltenden Blutungen, die gar nicht mehr aufhören wollen. Euer Zyklus gerät aus dem Rhythmus. Während sich zuvor eure Sexualhormone jeden Monat in schöner Regelmäßigkeit aufeinander abgestimmt haben, können sie jetzt stark schwanken. Das ist kein Grund zur Panik. Es ist aber in jedem Fall gut, wenn du in dieser Situation Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt hältst.

 

BIN ICH SCHON DRIN?

Mein Frauenarzt, den ich sehr schätze, lächelte nur milde, als ich ihn mit Mitte Vierzig fragte, ob ich schon in den Wechseljahren sei. Er fragte daraufhin zurück, ob ich noch einen regelmäßigen Zyklus habe. Als ich das bejahte, sagte er: “Sie sind noch nicht in den Wechseljahren.” Dass ich aber bereits mitten in der Perimenopause war und dass meine Symptome wie zum Beispiel die Schlafstörungen damit in Zusammenhang hätten stehen können, hat er mir nicht erzählt, meine Hausärztin übrigens auch nicht. Die Perimenopause beginnt also mit dem Absinken bzw. dem Fluktuieren unserer Geschlechtshormone und dauert bis 12 Monate nach der Menopause. Das kann irgendwo zwischen 35 und 50 Jahren beginnen und kann bis zu 10 Jahre andauern.

 

PERIMENOPAUSE … WAS?

“Peri” kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie “um … herum, um, umher, über … hinaus”.  Diese Phase umschließt quasi die Menopause. Danach sind wir in der Postmenopause. Und die Zeit von der ersten Regelblutung an bis zur Perimenopause nennt sich Premenopause. Ganz schön viele Begriffe. Der für mich wichtigste, ist der der Perimenopause.

Phasen der Menopause: Perimenopause, Menopause, Postmenopause. Wir sind in den Wechseljahren, wenn unsere Regelblutung mindestens 12 Monate ausbleibt
Phasen der Menopause: Perimenopause, Menopause, Postmenopause. Höhepunkt der Wechseljahre ist, wenn unsere Periode für mindestens 12 Monate ausbleibt

Die Perimenopause setzt mit ca. Mitte Vierzig ein. In seltenen Fällen kann dies aber auch schon mit Mitte 30 passieren. Zunächst sinkt bei uns Frauen merkbar der Progesteronspiegel, gefolgt vom Absinken des Östrogenspiegels. Das Ganze kann sich über Jahre hinziehen und die Hormone können von Monat zu Monat schwanken. Nachdem unsere Geschlechtshormone mit ca. 25 Jahren ihren Höchststand hatten, sinken sie nun in der zweiten Hälfte der Premenopause kontinuierlich ab. Und ab ca. 45 kann dies körperliche und psychische Auswirkungen haben; über 20 Symptome werden mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht. Die typischsten davon sind: Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Gewichtszunahme, Hitzewallungen, Verringerung der Libido und Reizbarkeit.     

 

WAS SIND ANZEICHEN DER WECHSELJAHRE?

In Deutschland haben ca. ein Drittel der Frauen keine Beschwerden beim Übergang in die Menopause. Zwei Drittel haben Beschwerden, die Hälfte davon ist stark betroffen. Allerdings sehe ich hier Forschungsbedarf, denn die Quelle dieser Verteilung habe ich bisher nicht ausfindig machen können. 

Du merkst, dass du in der Perimenopause sein könntest, je mehr der folgenden Aussagen auf dich zutreffen:

  • du hast nicht mehr die gleiche Energie wie in deinen Dreißigern
  • auf einmal fallen dir Namen und Worte nicht mehr ein und du vermutest vielleicht sogar, dass da eine frühe Form von Demenz oder ein Hirntumor dahinter stecken könnte
  • das Interesse an deinem Äußeren lässt bei dir nach, du trägst z.B. nur noch deine Lieblingsjeans
  • soziale Kontakte sind dir einfach nicht mehr so wichtig, du ziehst dich gesellschaftlich eher zurück
  • deine Blutungen werden unregelmäßig, sie sind deutlich stärker oder schwächer als früher 
  • deine Lust auf Sex geht zurück
  • das Einschlafen macht dir auf einmal Probleme
  • Sport hat überhaupt nicht mehr den Effekt, den er früher einmal hatte
  • du nimmst um die Hüfte herum zu und machst immer häufiger den Knopf deiner Hose auf
  • nachts wachst du schweißgebadet auf
  • und auf einmal ist da diese Traurigkeit in dir, die du so vorher noch nie erlebt hast
  • Erschöpfung ist dein Normalzustand
  • nachts wachst du auf und deine Gedanken kreisen, es fällt dir schwer, wieder einzuschlafen
  • immer häufiger liegen deine Nerven blank

 

DU BIST NICHT ALLEIN

Mit all dem bist du nicht allein. Alle Frauen kommen früher oder später in die Wechseljahre und mit der Perimenopause beginnt alles. Statt verlässlich jeden Monat in aller Regelmäßigkeit Östrogen und Progesteron zu produzieren, verringern unsere Eierstöcke langsam ihre Aktivität bis sie irgendwann ganz aufhören, Hormone zu produzieren. All das ist ganz natürlich. Das heißt aber nicht, dass du all diese Symptome einfach so aushalten musst. Und es heißt auch nicht, dass du durch diese Phase ganz alleine gehen musst. Wir sind hier und sorgen für Austausch, Vernetzung, Expertenmeinungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und Hilfsangebote. Melde dich für „GUTE EMAILS“ an und du erfährst demnächst mehr über #allthingsmenopause.

2 Kommentare

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Juleantworten
12/03/2020 um 19:05

Klasse! Das wurde aber auch Zeit, dass mal jemand das Thema Perimenopause in den Vordergrund rückt und ganz offen darüber spricht und schreibt!

Susanne Liedtkeantworten
13/03/2020 um 16:19
– Als Antwort auf: Jule

danke, Jule

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