WAS UNS GLÜCKLICH MACHT

DIE KLEINEN DINGE

 

In einer so besonderen Zeit wie dieser kommt man schon mal ins Nachdenken. Unter anderem auch ins Reflektieren darüber, was uns wirklich glücklich macht. Und so platt es klingt, so wahr ist es gleichzeitig auch und eigentlich wissen wir das auch alle: es sind viel mehr die kleinen Dinge. Und meistens ist es auch nichts Materielles. Die neue Kette, die Lampe, die ich schon lange haben wollte, das begehrte ACNE T-Shirt … ist zwar alles nett und macht kurzfristig voll happy, aber am Ende des Tages ist es das Zwischenmenschliche, was nachhaltig zufrieden macht. Der Soziologe Paul Marsden hat in seiner Keynote „The Future is human“ mal ein paar Dinge aufgezählt, die uns glücklich machen. Und komisch: ich finde in der Liste gar keine Handtasche:

  • anderen etwas Gutes tun
  • meine Freundschaften pflegen
  • Dankbarkeit empfinden und zum Ausdruck bringen
  • Strategien entwickeln, um mit Herausforderungen fertig zu werden
  • das Leben genießen
  • an meinen Zielen festhalten
  • lernen, anderen zu vergeben
  • weniger Grübeln
  • aufhören, mich mit anderen zu vergleichen
  • eine positive Grundhaltung einnehmen
  • meinem Körper Gutes tun
  • meine Spiritualität oder meinen Glaube leben
  • mehr Dinge tun, bei denen ich aktiv etwas mache statt nur zu konsumieren

Er sagt dort auch, dass die konsumierende Beschäftigung mit Facebook, Instagram, Netflix & Co. uns zwar nicht unglücklich macht, aber wir verpassen in diesen Stunden die Chance, mehr an unserem Glück zu arbeiten. Mehr Selbermachen statt zu konsumieren. Heute morgen öffnete ich LinkedIn und mir sprang eine Person ins Gesicht, die ich kannte und die wieder irgendwo aufgetreten war und alle fanden es toll. Und sofort fing der Vergleich mit mir selber an, binnen 5 Minuten hatte ich es geschafft, mich selber runterzuziehen und zwar ganz auf den Boden. „Warum schafft dieser Mensch das und warum schaffe ich meine Sache nicht?“ Und so ging das noch eine ganze Zeit lang. Blöder konnte ich meine Zeit nicht verbringen. An guten Tagen heißt es dann für mich „Krone richten, weitermachen.“ Aber an anderen Tagen nützt all das Wissen nichts. Und Disziplin kann man auch nur haben, wenn man noch Reserven hat. An schlechten Tagen bin ich mir sicher, dass es das war, dass ich gescheitert bin und das Menschen wie ich zwar gute Ideen haben, dass ihnen aber Eigenschaften fehlen, die man eben auch braucht, um eine Firma aufzubauen. Zum Beispiel ist dieses Sich-auf-die-Brust-Klopfen einfach nicht meins, gehört aber auch zum Spiel dazu. Wenn man in einer bestimmten Liga mitspielen möchte, muss man eben auch deren Regeln beherrschen. Ich bin angetreten, meine eigenen Regeln zu schreiben und mich um die der anderen nicht zu scheren. Aber es ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Es ist meine eigenen „Challenge“ sozusagen. Ein Wettlauf gegen mich selbst. Wenn ich es schaffe, weiß ich, wird mich das sehr glücklich machen. Und woran ich dann denken muss ist ein Mittagessen, was fast nicht stattgefunden hätte:

Ich habe mal jemanden kennengelernt, weil jemand anderes zu mir sagte: „Triff dich doch mal mit dem.“ Es war im Business Kontext, ich hatte den Sinn nicht wirklich gesehen und wollte meine Zeit dafür nicht hergeben. Je älter ich werde, um so genauer achte ich darauf, für was und für wen ich mir Zeit nehme. Das heißt nicht, dass es nicht Tage wie heute morgen gibt, wo ich mich grenzenlos sinnlos ablenke. Aber bei Aufforderungen von außen – egal wie gut gemeint – bin ich heute skeptischer. Irgendwann war dann mal eine Lücke im Kalender und ich dachte, warum nicht?! Es ist nur ein Mittagessen und essen musst du sowieso. Und so traf ich mich mit Arno Schultchen, Inhaber der Designagentur design for human nature – und manche wird jetzt denken ‚Wie, die kennt Arno nicht?!‘. Egal. Gibt ja viele Menschen, die man nicht kennt. Um es vorweg zu nehmen: es war eines der unterhaltsamsten Mittagessen, die ich je hatte. Und Arno prägte einen Satz, der sich bis heute eingebrannt hat in mein Hirn. Einfach, weil er so wahr und so gut ist.

„Glück ist die Überwindung eines Hindernisses.“

Arno Schultchen

 

Wie kam er drauf? Er erzählte von einer Arbeit, die sein Designbüro für das Land Schleswig Holstein gemacht hatte. Statt einer Kampagne hatten sie einen Strandkorb entwickelt, in dem man übernachten kann. Und wer das noch nicht gemacht hat und auch gerade nicht dazu kommt, denen empfehle ich den Artikel von Silke Pfersdorf in der Süddeutschen. Der Titel sagt schon alles: „Heldin der Nacht“. Es kostet eben doch ein bisschen Überwindung, nachts draußen, allein mit sich und dem Meer zu sein. Und es macht sehr glücklich, wenn man das mal gemacht hat. Und klar, es gibt noch ganz andere Hindernisse als in der Natur zu übernachten. Wir leben in Corona Zeiten. Die Liste der Hindernisse, die es jetzt zu überwinden gilt, ist endlos. Wenn wir da gesund bei rauskommen und es auch wirtschaftlich irgendwie geschafft haben, dann wird uns das glücklich und dankbar machen. Und wir werden hoffentlich auch die kleinen Dinge wieder mehr wertschätzen.

In diesem Sinne: danke Arno für deine Zeit und für diesen Satz.

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