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„ICH WERDE MEINE TOCHTER DA ANDERS DRAUF VORBEREITEN.“

Die Schauspielerin Paula Paul redet offen über ihre aktuelle Erfahrung mit den Wechseljahren. Was es mit ihr macht, wie das ist, mit noch kleinem Kind und was es für ihre Beziehung bedeutet. Paula trägt ihr Herz auf der Zunge. Sie spricht in diesem Interview vieles an, was sich andere (noch) nicht trauen. Warum? Sie findet, wir Frauen sollten anfangen, ehrlicher mit dem Thema umzugehen. Aber Paula wäre nicht Paula, wenn wir in diesem Interview nicht auch sehr viel gelacht hätten. Paula, du bist sonne krass tolle Frau! Viel Spaß euch allen beim Zuschauen oder Lesen.

Susanne: Ich sitze hier heute mit der Schauspielerin Paula Paul. Paula Paul ist nicht nur Schauspielerin, sondern auch systemische Coachin und Mutter. Paula, ich freue mich sehr, dass Du Dir heute die Zeit nimmst. Du hast mal Theaterwissenschaft/Germanistik studiert, hattest dann Dein Filmdebüt in „Absolute Giganten“, die meisten kennen Dich als Bea in „Die Bergretter“ und Du hast unter anderem auch international gedreht mit Alan Rickman in „Die Gärtnerin von Versailles“. 

Paula Paul: Ja. Wow.

Susanne: Ja, wow, finde ich auch. Also tausend Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst.

Paula Paul: Ja.

Susanne: Also Paula, Dein Leben – wir kennen uns – Dein Leben passt in mehr als nur ein Buch…

Paula Paul: Ja.

Susanne: Und Du bist jetzt in der Lebensmitte, aber da ist schon so viel passiert, deswegen weiß ich gar nicht, wie ich genau einsteigen soll. Ich frage mal ganz direkt, wie geht es Dir heute?

Paula Paul: Jetzt gerade?

Susanne: Jetzt gerade, in diesem Moment.

 

„Tatsächlich ist es so, dass man merkt: ‚Alter Schwede, hier sind wirklich 25 Jahre vergangen.'“

Paula Paul: Jetzt gerade geht es mir gut. Ich bin gut gefüllt vom Wochenende, ich war in Frankfurt auf einer Spitzenparty. Alle meine alten Freundinnen werden dieses Jahr 50, ich folge denen dann ganz schnell, nächstes Jahr und das war sehr lustig. Nein, mir geht es gut, alles wunderbar.

Susanne: Schön. Stichwort 50ster Geburtstag, wie ist das so, wenn man in seine alte Heimat zurück kommt und Gesichter sieht, die man lange nicht mehr gesehen hat? Was war so… was ist Dein Eindruck gewesen?

Paula Paul: Ui, ehrlich?

Susanne: Ja. 

Paula Paul: Also die Frauen sehen alles spitze aus… nein, also tatsächlich ist es so, dass man merkt, alter Schwede, hier sind wirklich 25 Jahre vergangen und diese 25 Jahre stehen in den Gesichtern oder auch in den Körperhaltungen und auch irgendwie natürlich im Sein und dann gehst du aufs Klo und guckst in den Spiegel und denkst so: “Fuck, irgendwie bei dir ist es dann auch bald so weit.” Da sieht man sich jeden Tag im Spiegel und denkt, geht ja noch, aber so wie ich über viele andere dann in dem Moment auch zum Teil erschrocken gedacht habe, weiß ich, dass man das über mich auch denkt so, ‘hui ja, ja, das ist sie’. 

Foto: Sonja Tobias

Auf der anderen Seite denkt man auch bei ganz vielen ‘doch Glück gehabt’, wenn man aber dann eintaucht und sich wieder mit allen unterhält, ist man ganz schnell wieder 25 und alles ist beim alten und damit ist das alles auch wieder scheißegal, wie man aussieht.

Susanne: Super. Da wären wir gleich schon beim Thema Älterwerden. Was ist so Dein… was macht das Thema mit Dir? Macht es überhaupt was mit Dir? Ist es noch kein Thema?

Paula Paul: Doch, es ist ein Scheißthema, also ich bin… ich gehöre zu der Gruppe, die dachte, das ganz easy peasy wegzustecken und tatsächlich ist es seit einem Jahr so, dass es…. ich finde es zum Kotzen. Ich finde Älterwerden nicht schlimm im Sinne von Aussehen, klar nervt es, dass die Haare irgendwie ausgehen oder dass man… dass alles wackelt oder irgendwie die Oberschenkel auf die Knie fallen, das ist dann so, das macht mir aber nicht so viel aus. Was ich echt hart finde ist so die Stimmungsschwankungen, diese Müdigkeit und was neu ist, sind wirklich so richtig schlimme Körperschmerzen. Und damit sind wir ja jetzt beim Thema. Ich dachte, das ist… das gehört dazu und wusste nicht, dass ich in den Wechseljahren bin bis… weil ich dachte, die Wechseljahre das ist so, dass man dann aufwacht und nass geschwitzt ist und dass eine Hitzewelle die andere jagt, aber bei mir war das gar nicht so. 

Ich dachte, das ist jetzt alt werden und alles tut weh, das ist normal und habe dann irgendwann ja glaube ich, Dich und Baets angerufen und habe gesagt: “Leute, ich werde bald eingewiesen.” Und kam so über euch zu einer Ärztin, die gesagt hat, nein, das musst du so nicht hinnehmen, das sind die Wechseljahre, du bist voll in den Wechseljahren und bei jeder Frau äußert sich das anders und bei mir war es eben mit Gelenkschmerzen, ich habe wirklich ganz schlimme Gelenkschmerzen. Und ich finde das alles ätzend, ich finde Altwerden zum Kotzen.

Susanne: Und als das zum ersten Mal aufgetreten ist, Du hast gesagt, ungefähr vor einem Jahr.

Paula Paul: Das ist also… ungefähr vor einem Jahr wurde es richtig blöd. Also vorher begann das so mit Migräne Attacken, wenn die Tage kamen oder wo ich dachte, ja, gut musste jetzt irgendwie mit leben. Und vor circa einem Jahr tat mir meine Hüfte weh und die Knie und die Füße und alles war immer so halb gut am Tag, so halb. Und das ging dann auch auf die Energie, weil das richtig schlimme Schmerzen wurden. 

Susanne: Wie bist Du vorbereitet worden, auf die Wechseljahre? Wie… hast Du Dich selber vorbereitet? 

Paula Paul: Nein.

Susanne: Was hast Du… wann hast Du Dich gesehen, in den Wechseljahren?

Paula Paul: Na ja, ich dachte so mit 54, so irgendwie, war so eine Zahl oder 52 oder irgendwann kommt das so. Nein, ich war da nicht drauf vorbereitet,  dass es jetzt so schnell ging, bin aber auch ganz froh, dass es jetzt so ist, weil dann habe ich wenigstens eine Antwort darauf, dass es mir auch stimmungsmäßig nicht so richtig gut geht. Mich hat keiner darauf vorbereitet, also tatsächlich… deswegen sitze ich auch hier. 

Also wir müssen damit raus, dass das nicht lustig ist. Also das ist natürlich, ich habe eine Freundin gehabt, die merkt gar nichts, die sagt, sie hat Verständnis aber sie sagt: “Hey mir geht es so super.” und ich habe eine andere Freundin, der geht es so schlimm, dass sie wirklich, wirklich, wirklich noch viel schlimmer dran ist als ich. 

Und es gibt alles und weil eben nicht darüber gesprochen wird,

klar in der Brigitte steht viel oder in der Donna, in all‘ den Zeitschriften wird es langsam kommuniziert, aber ich kenne wenige Frauen, die sagen, es ist voll zum Kotzen. 

Susanne: Das heißt aber schon, mit Freundinnen redest Du jetzt schon offen darüber.

Paula Paul: Mit euch rede ich jetzt offen darüber, es gibt… aber das sind enge Freundinnen. Es gibt Frauen, die wollen davon nichts hören.

Susanne: Ja.

Paula Paul: Viel schwieriger finde ich, dass jeder Mann, ich kenne keinen, bis auf Deinen bisher, die sich nicht umdrehen und sagen: “Wir müssen mal einen Kaffee kochen.” oder mal ganz schnell irgendwie einen Bonbon lutschen oder irgendwie aufs Klo. 

Susanne: Also für Männer ist das Thema also…

Paula Paul: Ah, das macht mich fertig, dass ich mit… also auch mit meinem eigenen Partner offensichtlich da keine Plattform habe, dass ich mal sage, hey, irgendwas ist anders und das ist nicht gut. Und ich finde, dass Männer ganz dringend irgendwie aufwachen müssen, weil es gibt Gründe, dass alle Ehen auf einmal in dieser Zeit auseinandergehen und das ist nicht nur weil neuere Frauen oder jüngere Frauen auftauchen, sondern es ist einfach, weil es den Frauen nicht gut geht, meistens nicht gut geht und dass man einfach darüber mal redet. Dann könnte das Ding auch relativ schnell vom Tisch sein, aber…

Susanne: Das heißt Frauen reden schon wenig drüber…

Paula Paul: Olli. Das ist mein Hund. Sorry.

 

„Und ich finde, dass Männer ganz dringend irgendwie aufwachen müssen, weil es gibt Gründe, dass alle Ehen auf einmal in dieser Zeit auseinandergehen …“

Susanne: Hast Du schon mal überlegt, warum gibt es überhaupt Wechseljahre, wer hat sich das ausgedacht? Was hat das evolutorisch überhaupt für eine Sinn? Dann konnte man zumindest in der Natur an den Orcas beobachten, dass die weiblichen älteren Orca Tiere das Rudel anführen, die finden das Futter, also sie sind enorm wichtig für das ganze Rudel und sie helfen bei der Aufzucht der Jungen. Und wären sie aber immer noch gebärfähig, könnten sie ihre Kraft nicht dem Rudel zur Verfügung stellen. Insofern ist das eigentlich, das ist die “Großmutter Hypothese”, eigentlich hat das evolutorisch etwas Gutes, aber man geht erst mal eventuell, also nicht alle Frauen zum Glück gehen ja durch relative Schmerzen. 

Paula Paul: Ja, ja. 

Susanne: Das heißt, keiner hat Dich aufgeklärt…

Paula Paul: Nein. Es gab keine Mutter, meine Mama ist sehr früh gestorben. 

Susanne: Sag‘ mal in welchem Alter war sie?

Paula Paul: 47 war die. Ich war da sehr jung. Ich habe danach Hinweise gefunden, dass es ihr nicht gut ging, weil überall Wobenzym, das ist so ein Gelenkmittel, also sie muss auch sehr große Gelenkschmerzen gehabt haben, aber da… ich war… wie alt war ich denn… 19, also da redet man nicht über die Wechseljahre. Ich werde meine Tochter da anders drauf vorbereiten, weil ich… oder hoffentlich sind wir dann weiter, in 20 Jahren oder in 25 Jahren, dass sie da anders mit umgehen, weil… und auch wissen Anfang/Mitte 40, dass eventuell was kommt, was weh tut, einfach weh tut. Oder was… und dass da auch keine Botox Pille, Spritze oder whatever oder Hyaluron oder sonst was hilft, sondern dass man mit der Seele da durch muss.

 

„Ich werde meine Tochter da anders drauf vorbereiten, weil ich… oder hoffentlich sind wir dann weiter, in 20 Jahren oder in 25 Jahren, dass sie da anders mit umgehen und auch wissen, dass mit Anfang/Mitte 40 eventuell was kommt, was weh tut, einfach weh tut.“

Das hier ist der erste Teil unseres Interviews mit Paula Paul. Im zweiten Teil spricht sie über ihre körperlichen Beschwerden und wie ihre Erfahrung mit Ärzten und Ärztinnen zu dem Thema war.

Im dritten Teil erzählt Paula, wo sie sich in fünf Jahren sieht, wie sie dann leben und arbeiten möchte. Und außerdem hat sie einen leidenschaftlichen Appell an uns Frauen.

1 Kommentar

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"Das Wort 'Perimenopause' habe ich noch nie gehört." – nobodytoldmeantworten
22/07/2020 um 11:18

[…] Im ersten Teil spricht sie über Klassentreffen, das Älterwerden und was sie in Bezug auf die Wechseljahre eigentlich erwartet hatte. […]

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