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„DIESES DOGMA, ‚SEI STARK, DA MÜSST IHR ALLE DURCH.‘ … DAS IST BULLSHIT.“

Im dritten Teil erzählt die Schauspielerin Paula Paul, wo sie sich in fünf Jahren sieht, wie sie dann leben und arbeiten möchte. Und am Ende hat sie noch einen leidenschaftlichen Appell an uns Frauen.

Paula Paul: Finde ich auch sehr wichtig, dass man den Quatsch nicht glaubt, dass man sich… wenn man sich fallen lässt, also dieses Dogma, “Sei stark, da müsst ihr alle durch.” Also friss‘ oder stirb, das ist Bullshit.

Susanne: Das passt zur nächsten Frage. Also wenn du Rückschau hältst, auf die letzten zehn Jahre, gibt es irgendwas, was Du Deinem zehn Jahre jüngeren Ich mit auf den Weg geben würdest? 

Paula Paul: Ja. Die letzten zehn Jahre sind bestimmt natürlich von sieben Jahren kleiner Mann nochmal, also Kinder und wieder Kinder und Theo. Wichtig wäre mir für alle Frauen dass man die jüngeren Frauen darauf vorbereitet, dass es eine Zeit gibt, wo nichts mehr so wirklich rund läuft. Also klar, es gibt bei mir im Freundeskreis auch Freundinnen, die sagen, bei mir ist alles dufte und ich habe die Energie meines Lebens und ich verdiene so viel Geld wie noch nie und es macht alles so viel Sinn und dann gehe ich ins Klo bei denen und sehe dann, dass da irgendwelche Antidepressiva stehen und dann so… hmm, alles klar. Stimmt. Ich würde meinem jüngeren Ich sagen, es kommt eine Phase, die ist doof und wenn ich besser vorbereitet gewesen wäre, hätte es mich nicht so umgehauen. 

Susanne: Hättest Du früher Hilfe bekommen… 

Paula Paul: Genau oder hätte einfach… genau Beziehungs… klar, mit der Beziehung, da kann man jeder Frau, das muss jede Frau selbst wissen. Ich hätte es, wenn ich es jetzt gewusst hätte, auch anders gemacht, was nicht an dem Mann liegt, sondern nur an mir. Und für die Kinder würde ich das wahrscheinlich ein bisschen ruhiger und strukturierter angehen lassen als… in meinem Beruf, ich bin acht Jahre lang nur zwischen Hamburg, München und Salzburg hin- und hergeflogen. Ja, ich wusste es nicht besser und wollte es auch nicht anders, aber ruhig war es hier nicht. Und die Finanzen regeln, das habe ich jetzt erst gelernt: Frauen regelt eure Finanzen und zwar ohne Männer.

Susanne: Du bist ein Fan von Madame Moneypenny

Paula Paul: Ich bin ein großer Fan von Madame Moneypenny, genau. Durch die ich jetzt erst lerne, dass irgendwie in… ja, ich stehe da da wie eine 20-jährige, tatsächlich. 

Susanne: Aber Du gibst… Du beschäftigst Dich jetzt damit, mit dem Thema.

Paula Paul: Ich muss jetzt, ja.

Susanne: Gibt es da was, was Du Deiner Tochter mit auf den Weg geben würdest? Oder generell, was würdest Du Deiner Tochter mit auf den Weg geben?

Paula Paul: Also ich bin so durchs Leben gegangen, ich hatte wahnsinniges Glück, die ersten 40 Jahre ist mir alles zugefallen und ich glaube, dass die Romy ähnliche Strukturen hat wie ich und ich würde wirklich hoffen, dass sie mehr Struktur in ihrem Leben hat als ich und sich das selbst leichter macht, indem sie Sachen auch zu Ende macht. Ich habe mein Studium gemacht, habe das nur in dem einen Fach beendet,

ich habe die Schauspielerei gemacht, habe sie in den ersten Jahren nicht wirklich ernst genommen, erst jetzt. Ich habe die Gesundheit nie wirklich erst genommen, weil ich dachte, ist eh’… läuft eh alles und merke auch jetzt, dass das nicht so easy läuft. Ich würde ein paar Sachen ernster nehmen. Was mich aber auch ausgemacht hat, dass ich alles irgendwie so über die Schulter genommen habe und so durchs Leben gegangen bin. Ein bisschen mehr nachdenken, würde ich der Romy sagen, als ich.

Susanne: Du bist ja ein Bündel an guter Laune, wenn man Dich erlebt, wenn man hier zu Besuch kommt und Dich trifft und da ist sofort eine Energie da. Die Paula, die ich heute erlebe, ist eine ganz andere Paula.

Paula Paul: Sagt man ja, man sagt es… hat man immer gesagt, aber die Paula, genau, die ist es halt nicht. Und momentan ist es die Paula hier und das ist für mich halt auch neu. 

Susanne: Was könnten Deine Freundinnen jetzt in diesem Moment, in dieser Zeit für Dich tun? Was könnte Dein Umfeld für Dich tun? Dein Partner, Deine Kinder, was…

Paula Paul: Also die Romy macht schon fast alles. Ist auch fast ein bisschen zu viel für sie, aber die kann ihre… bist Du noch hier? Du kannst jetzt lernen und Dein Abitur schreiben, dann ist für mich schon echt ein großes Paket weg. Mein Umfeld, ich fände es toll, wenn alle Männer dieser Welt mal zuhören würden, was los ist mit den Frauen und die nicht für total bekloppt abstempeln, wenn diese Phase kommt. Weil ich erlebe das in meinem ganzen Freundeskreis, die irgendwie nur kopfschüttelnd dastehen und sagen, die Alte spinnt. Darauf… also das, ich mache ja noch eine Ausbildung, eben auch zum Systemischen Coach und ich möchte mit diesen Männern arbeiten, weil es gibt einfach einen 5-Punkte-Plan, mit dem man den Frauen helfen kann.

Susanne: Das ist aber noch interessant, also jetzt… Du bist Schauspielerin, Du bist aktiv Schauspielerin, machst parallel aber auch eine Ausbildung zum Systemischen Coach. Was hat das getriggert? Wieso?

Paula Paul: Ja, das lag daran, dass ich durch den Tod meiner Mutter und durch die… schon zwei Ehen, immer wieder durch Therapien und an mir arbeiten und so weiter, immer wieder an die gleichen Punkte gekommen bin und die haben nicht wirklich… also ich weiß meine Punkte, aber ich kam nicht weiter, Punkt. Also ich weiß um die Dinge, die nicht richtig laufen bei mir, aber sie helfen mir auch nicht. So und das ist so, dass ich dann zu einer Frau kam in Hamburg, die Familienaufstellungen macht und die das so brillant macht, dass ich da ein Handwerk mitbekommen habe, wie ich jetzt Dinge besser lösen kann und verstehen kann und mein Umfeld auch besser nehmen kann, ohne gleich wieder… ich tendiere zum hysterischen Ausbruch, wenn ich mich nicht verstanden fühle. Das kann ich alles jetzt besser, das konnte ich früher nicht und das war… da gab‘ es so viele Aha-Erlebnisse in diesen Zeiten und bei dieser Frau, Carola von Bismarck, eine fantastische Frau und dann habe ich gemerkt so, das möchte ich beruflich machen und genau. Dann war aber die Warteliste so voll und dann rief sie irgendwann letzten Oktober an und

hat gesagt, so hier ist noch ein Platz. Das sollte so sein.

Susanne: Wann wirst Du damit fertig sein?

Paula Paul: In einem Jahr.

Susanne: Okay.

Paula Paul: Also die reine Ausbildung dauert zwei Jahre, dann solltest du noch deinen HP Schein in Psychologie machen, das wäre dann nochmal ein Jahr oder ein halbes und dann braucht man glaube ich ganz viele Jahre, um Praxis zu sammeln und… also alles in allem, habe ich mir so vier, fünf Jahre mal gegeben. Ich glaube, dann könnte ich damit Geld verdienen, ich würde aber auch schon vorher jeden anderen Mann zum Thema Wechseljahre begleiten und abholen.

Susanne: Also das wird ein Schwerpunkt für Dich sein.

Paula Paul: Ja, auf jeden Fall, weil…

Susanne: Männer in der Lebensmitte…

Paula Paul: Na, Männer in Ehen, die ihre Frauen nicht mehr verstehen, denken die Alte spinnt und sich eine neue suchen, weil sie es einfach einfacher haben, das nervt.

Susanne: Ja, okay. Da gibt es glaube ich ein weites Feld an…

Paula Paul: Da gibt es ein weites Feld an Experience.

Susanne: Das heißt, wo siehst Du Dich in fünf Jahren, wenn Du sagst, wenn Du Dir das ideale Szenario für Dich wünschen könntest…

Paula Paul: Oh je…

Susanne: Was macht die Paula in fünf Jahren? Wie geht es der, wo lebt sie, in welchem Umfeld lebt sie, was macht sie, womit verdient sie ihr Geld? Hat sie Geld, geht sie reisen?

Paula Paul: Also in fünf Jahren hat die Paula ihre Finanzen im Griff… dann bin ich ja schon 55, das ist ja furchtbar, aber dann hat sie ihre Finanzen geregelt, dann geht sie wieder auf Reisen. Das habe ich… die andere Paula von vor 20 bis 40 auch gemacht, ja. Das Ideal wäre natürlich wieder eine schöne Serie, weil das hat mir gut getan, also das waren schöne Jahre, hier mit den Pfefferkörnern oder mit den Bergrettern vor allem. Ich würde sehr gerne wieder in Süddeutschland oder in Österreich arbeiten, in den Bergen…

Susanne: Auch leben?

Paula Paul: Ja, sofort.

Susanne: Du bist gebürtig Hessen.

Paula Paul: Ur-Hessin, genau. Deswegen esse ich auch so gerne Mehl und Zucker.

Susanne: Ja.

Paula Paul: Das bleibt auch so. In fünf Jahren, ich würde mir wünschen, dass es meinen Kindern… natürlich ist es wie bei jeder Mutter… den Kindern gut geht und ideal wäre eine kleine Mini Alm irgendwo in Österreich, ja.

Susanne: Ich werde vorbei kommen.

Paula Paul: Ja, ich koche für euch alle. 

Susanne: Das heißt, Du willst schauspielern aktiv, eher in Süddeutschland, es geht Deinen Kinder gut, es geht Dir finanziell gut.

Paula Paul: Es geht mir körperlich natürlich auch… also das ist ja erst mal das erste, dass ich Kraft dafür habe. Also das erste Jahr vor dem krassen Wechsel finde ich, ist so total… also ist eine Suppe von irgendwas. 

Susanne: Das heißt, das wäre super, wenn Du nochmal den Frauen da draußen, auch den Männern, die zugucken, so Dein Appell, mit der Erfahrung, die Du jetzt gemacht hast, in den letzten Jahren, Frauen, die jetzt – sagen wir – Anfang 40 sind, was würdest Du denen raten? Gibt es was, wo Du sagst, das sollten die unbedingt jetzt wissen, damit sie meine Fehler oder meine Erfahrungen nicht machen müssten. 

Paula Paul: Also ich glaube, dass es wichtig ist, dass Frauen wissen, dass es eine Phase geben kann, ist ja nicht bei allen so, die weh tut, also die wirklich körperlich weh tut und dass man deswegen nicht Tausende ausgibt bevor… also Osteopathen, ich glaube, ich habe, ich hab‘ mal zusammengerechnet, 4.000 Euro in den letzten drei Jahren nur an Therapien bezahlt privat, weil ich dachte, ja, du musst dich jetzt irgendwie behandeln lassen und irgendwelche Stoßwellentherapien und… 

Susanne: Du bist Kassenpatientin, die übernimmt das nicht…

 

„Also ich habe auf einmal keinen Alkohol mehr vertragen.“

 

Paula Paul: Genau, die übernimmt das nicht, muss man es privat zahlen. Ich würde den Frauen sagen, dass sie immer erst mal mit in ihr Gedankengut nehmen, dass der Wechsel, die Wechseljahre, ich finde dieses Wort Menopause so dermaßen schwachmatisch, dass da Dinge passieren, die also die… genau, die weh tun können und die einen verwirrt machen und die einen auch traurig machen. Und aber auch, also ich habe auf einmal keinen Alkohol mehr vertragen, das ist nicht jetzt ganz doof, aber es ist… das war alles schon, das waren die Vorboten dahin. Dass man besser vorbereitet ist und dass man bloß mit Freundinnen darüber quatscht, weil dann wird es leichter.

Susanne: Super. Und was ich auch mitnehme, Du hast Dir ja jetzt auch jemanden gesucht, die spezialisiert ist auf dieses Thema, also in ärztlicher Beratung, die sich nur um das Thema kümmert, also nur um Frauen in dieser Phase. 

Paula Paul: Genau, dass man sich eine gute Ärztin sucht, dass man sich aufgehoben fühlt und dass man, und das finde ich auch sehr wichtig, den Quatsch nicht glaubt, dass man sich, wenn man sich fallen lässt, also… ja dieses Dogma: “Sei stark da müsst ihr alle durch.” also friss‘ oder stirb, das ist Bullshit, ja. Sondern aufmachen und auch nicht zu dramatisch alles nehmen und dann einfach auch gut mit dem Thema gehen.

Susanne: Das ist ein schönes Schlusswort.

Paula Paul: Ja.

Susanne: Tausend Dank, danke Dir. Das war so toll.

Paula Paul: Cut.

2 Kommentare

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"DAS WORT 'PERIMENOPAUSE' HABE ICH NOCH NIE GEHÖRT." – nobodytoldmeantworten
26/07/2020 um 09:09

[…] Im dritten Teil erzählt Paula, wo sie sich in fünf Jahren sieht, wie sie dann leben und arbeiten möchte. Und außerdem hat sie einen leidenschaftlichen Appell an uns Frauen. […]

"ICH WERDE MEINE TOCHTER DA ANDERS DRAUF VORBEREITEN." – nobodytoldmeantworten
26/07/2020 um 09:10

[…] Im dritten Teil erzählt Paula, wo sie sich in fünf Jahren sieht, wie sie dann leben und arbeiten möchte. Und außerdem hat sie einen leidenschaftlichen Appell an uns Frauen. […]

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