Scheidentrockenheit, Juckreiz, Brennen, Schmerzen beim Sex. Das ist für viele Frauen in den Wechseljahren bittere Realität. Und trotzdem redet kaum jemand drüber. Dabei gibt es wirksame Lösungen: lokale Hormonpräparate, also Cremes, Zäpfchen, Tabletten oder Ringe, die direkt vor Ort in der Scheide wirken.
In diesem Artikel schauen wir uns die gängigsten Produkte an: was drinsteckt, wie sie wirken, wann sie helfen und was du unbedingt mit deiner Gynäkologin besprechen solltest. Denn: Dieser Artikel ist eine Orientierungshilfe, kein Ersatz für medizinische Beratung. Alles, was hier steht, sind Informationen und Empfehlungen. Die letzte Entscheidung triffst du zusammen mit einer Ärztin, die deine individuelle Geschichte kennt.
Ich habe das Thema auch als Kurzform aufgegriffen – schau gern in meinen YouTube-Short „Flutscht es untenrum?“ – da bekommst du in unter einer Minute die wichtigsten Grundlagen zu Estriol und Scheidentrockenheit.
Was ist eigentlich das Problem und warum helfen Hormone?
In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Das hat nicht nur Auswirkungen auf Hitzewallungen und Schlaf. Auch die Schleimhäute in Vagina, Blase und Harnröhre brauchen Östrogen, um feucht, elastisch und widerstandsfähig zu bleiben.
Wenn dieser Schutz wegfällt, spricht man vom urogenitalen Syndrom der Menopause. Die Folgen sind trockene, dünne, empfindliche Schleimhäute, Juckreiz, Brennen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, häufigere Blasenentzündungen und manchmal Inkontinenz.
Besonders aufhorchen solltest du, wenn du plötzlich häufige Harnwegsinfekte bekommst, es beim Wasserlassen brennt oder du eine überaktive Blase entwickelst. Hinter all diesen Symptomen steckt oft dasselbe: Estriol-Mangel. Die lokale Östrogenversorgung „untenrum“ ist tatsächlich die beste Prävention gegen Harnwegsinfekte und das wird viel zu selten besprochen.
Das Gute: Lokale Östrogenpräparate, also solche, die direkt in der Scheide angewendet werden, helfen sehr effektiv. Und weil sie kaum ins Blut aufgenommen werden, sind sie deutlich risikoärmer als eine systemische Hormonersatztherapie.
Die Wirkstoffe im Überblick: Estriol vs. Estradiol
In den meisten lokalen Vaginaltherapien stecken zwei verschiedene Östrogene:
Estriol (E3): Das schwächste der drei natürlichen Östrogene – etwa zehnmal schwächer als Estradiol. Es wirkt vor allem lokal auf die Schleimhäute, ohne die ganze Hormonachse des Körpers zu beeinflussen. Während der Schwangerschaft ist Estriol das dominierende Östrogen. Klinische Studien zeigen: Vaginal angewendetes Estriol ist wirksam bei vaginaler Atrophie und wird von den meisten Frauen gut vertragen.
Estradiol (E2): Das stärkste der drei Östrogene – das, das die Eierstöcke in den reproduktiven Jahren hauptsächlich produzieren. Auch in sehr geringen Mengen vaginal angewendet, wirkt es effektiv auf die Schleimhäute.
KATEGORIE 1: VAGINALCREMES
Cremes sind die klassischste Form der lokalen Östrogentherapie. Sie werden mit einem Applikator in die Vagina eingeführt, können aber auch äußerlich auf Vulva und Schamlippen aufgetragen werden, was bei Beschwerden im Außenbereich ein echter Vorteil ist.
OeKolp® Creme
Hersteller: Besins Healthcare Germany GmbH (ursprünglich Dr. Kade Pharmazeutische Fabrik GmbH)
Wirkstoff: Estriol 1 mg pro Gramm Vaginalcreme
Was steckt drin und wie wirkt’s?
OeKolp Creme enthält Estriol in einer Konzentration von 1 mg pro Gramm Creme. Beim Auftragen einer halben Applikatorfüllung (die Standarddosis) werden 0,5 mg Estriol lokal appliziert.
Estriol bindet an Östrogenrezeptoren in der Vaginalschleimhaut und regt die Zellen zur Regeneration an: Die Schleimhaut wird dicker, feuchter und elastischer. Gleichzeitig sinkt der pH-Wert der Vagina wieder in den sauren Bereich und damit auch das Risiko für Infektionen.
Studien bestätigen: Lokale Estriolbehandlung verbessert die Proliferation und Durchblutung des Vaginalepithels und reduziert nachweislich das Risiko für Harnwegs- und Vaginalinfektionen.
Wogegen hilft’s?
- Scheidentrockenheit
- Juckreiz und Brennen
- Schmerzen beim Sex (Dyspareunie)
- Wiederkehrende Blasenentzündungen durch vaginale Atrophie
- Vor und nach gynäkologischen Operationen (Vorbereitung der Schleimhaut)
- Undeutliche PAP-Abstriche wegen atrophischer Schleimhaut
Wie wird’s angewendet?
In den ersten drei Wochen täglich einmal mit dem beigelegten Applikator in die Scheide einführen (abends empfohlen). Danach wird die Häufigkeit typischerweise auf zwei Mal pro Woche als Erhaltungsdosis reduziert. Die genaue Dosierung besprichst du am besten mit deiner Ärztin.
Wichtig bei starker Atrophie: Wenn die Schleimhaut schon sehr stark ausgedünnt ist, kann es sinnvoll sein, mit einer höheren Anfangsdosis zu starten, also täglich 1 mg Estriolcreme über drei Wochen, bevor die Dosis reduziert wird. Manche Gynäkologinnen empfehlen genau dieses Schema, damit die Schleimhaut erst richtig aufgebaut werden kann. Deine Ärztin weiß, was für dich passt.
Noch etwas, das du wissen solltest: Gerade zu Beginn der Behandlung, wenn die Schleimhaut noch sehr dünn und damit durchlässiger ist, kann etwas mehr Östrogen ins Blut aufgenommen werden als später. Das erklärt, warum manche Frauen in den ersten Tagen leichte systemische Reaktionen wie Stimmungsschwankungen oder Schweißausbrüche bemerken. Das legt sich in der Regel, sobald die Schleimhaut sich erholt hat.
Für wen ist es geeignet?
Für alle Frauen, die unter vaginalen Symptomen eines Östrogenmangels, besonders in und nach den Wechseljahren, leiden. Auch beim Sex können in Form von Creme Probleme im Außenbereich gut behandelt werden.
Ovestin® 1 mg Creme
Hersteller: MSD SHARP & DOHME GmbH
Wirkstoff: Estriol 1 mg pro Gramm Vaginalcreme
Was steckt drin und wie wirkt’s?
Ovestin ist quasi der „große Bruder“ in derselben Wirkstoffklasse wie OeKolp, ebenfalls Estriol, auch hier 1 mg/g. Der Unterschied liegt vor allem im Hersteller und in den Hilfsstoffen (z.B. der Cremegrundlage), was bei manchen Frauen Verträglichkeitsunterschiede erklären kann.
Die Wirkungsweise ist identisch: Estriol regeneriert die Vaginalschleimhaut, senkt den pH-Wert und lindert die typischen Symptome der vaginalen Atrophie.
Wogegen hilft’s?
- Scheidentrockenheit und Schmerzen beim Sex
- Vaginitis atrophicans (Entzündung durch Östrogenmangel)
- Ausfluss durch Östrogenmangel
- Juckreiz der Schamlippen
- Vor- und Nachbehandlung bei vaginalen Operationen
- Als Vorbereitung für PAP-Abstriche bei stark ausgeprägter Atrophie
Wie wird’s angewendet?
Auch bei Ovestin gilt das typische Schema: täglich in den ersten Wochen, dann Reduktion auf eine Erhaltungsdosis zweimal pro Woche. Deine Ärztin legt die genaue Dauer und Dosierung fest.
Für wen ist es geeignet?
Für alle Frauen mit vaginalen Östrogenmangel-Symptomen. Ovestin ist besonders bekannt und eines der am häufigsten verschriebenen lokalen Östrogenpräparate in Deutschland.
Wichtig: Lokale Estriol-Cremes sollten nicht angewendet werden bei bekanntem oder vermutetem östrogenabhängigem Tumor (z.B. Brustkrebs, Gebärmutterschleimhautkrebs), ungeklärten Vaginalblutungen oder Thrombosevorgeschichte. Sprich das unbedingt mit deiner Gynäkologin durch.
Estriol Vaginalcreme
Hersteller: Verschiedene (z.B. Dr. August Wolff GmbH & Co. KG)
Wirkstoff: Estriol 1 mg pro Gramm Vaginalcreme
Was steckt drin und wie wirkt’s?
Neben den Markenpräparaten OeKolp und Ovestin gibt es auch generische Estriol-Vaginalcremes, die denselben Wirkstoff in gleicher Konzentration enthalten. Der Hauptunterschied liegt in der Rezeptur der Hilfsstoffe und manchmal im Preis.
Wirkung, Anwendungsgebiete und Anwendungsschema sind identisch mit OeKolp und Ovestin. Manche Frauen berichten, dass sie eine Creme besser vertragen als die andere. Das kann an den Hilfsstoffen liegen, zum Beispiel an Propylenglykol oder anderen Konservierungsstoffen.
Für wen ist es eine Option?
Für Frauen, die ein wirkstoffgleiches Produkt suchen und dabei eventuell offen für Alternativen zu den bekannteren Markenpräparaten sind. Deine Ärztin oder Apothekerin kann dir sagen, welche Generika aktuell verfügbar sind.
KATEGORIE 2: VAGINALZÄPFCHEN / OVULA
Ovula (Vaginalzäpfchen) haben denselben Wirkstoff wie die Cremes, nur in einer anderen Form. Sie schmelzen in der Körperwärme und geben den Wirkstoff direkt an die Schleimhaut ab. Für viele Frauen sind sie praktischer in der Anwendung, weil kein Applikator nötig ist.
OeKolp® Ovula
Hersteller: Besins Healthcare Germany GmbH / Dr. Kade Pharmazeutische Fabrik GmbH
Wirkstoff: Estriol – in zwei Stärken erhältlich:
OeKolp forte Ovula: 0,5 mg Estriol pro Zäpfchen
OeKolp Ovula 0,03 mg: ultra-niedrig dosiert
Was steckt drin und wie wirkt’s?
OeKolp Ovula enthalten denselben Wirkstoff wie OeKolp Creme (Estriol) und wirken identisch: Regeneration der Vaginalschleimhaut, Feuchtigkeitsverbesserung, Senkung des pH-Werts.
Die OeKolp forte Ovula mit 0,5 mg Estriol liefern dieselbe Estriolmenge wie eine halbe Applikatorfüllung der Creme. Die ultra-niedrig dosierten Ovula mit 0,03 mg sind für Frauen gedacht, die eine noch sanftere Therapie bevorzugen.
Der entscheidende Unterschied zur Creme: Ovula wirken tiefer in der Scheide und sind besonders geeignet, wenn die Beschwerden hauptsächlich vaginal (innen) und nicht im Bereich der Vulva (außen) liegen. Für äußere Beschwerden, also Juckreiz an den Schamlippen, eignet sich die Creme besser, da sie auch äußerlich aufgetragen werden kann.
Zum Thema Ausfluss – das solltest du wissen: Wenn du die Ovula verwendest und in den ersten Tagen einen vermehrten Ausfluss bemerkst: Das ist keine Nebenwirkung, die Alarm schlägt. Das ist ganz normal und unvermeidlich. Wenn das fettige Zäpfchen schmilzt, gibt es eben diesen Schmelzausfluss. Unangenehm, aber harmlos. Wer das vermeiden möchte, kann zu Vaginaltabletten oder einer Creme wechseln. Beide haben eine andere Grundlage und schmelzen entweder sauberer oder werden direkt aufgetragen.
Noch ein wichtiger Hinweis: Auch hier kann die Schleimhaut zu Beginn der Behandlung durchlässiger sein, wenn sie stark ausgedünnt ist. Das bedeutet, dass in dieser frühen Phase etwas mehr Östrogen ins Blut gelangen kann als später, wenn die Schleimhaut sich regeneriert hat. Leichte systemische Reaktionen in den ersten Tagen können daher ganz normal sein.
Wogegen hilft’s?
- Scheidentrockenheit (eher innerhalb der Scheide)
- Atrophische Vaginitis
- Schmerzen beim Sex
- Vor- und Nachbehandlung bei vaginalen Operationen
Wie wird’s angewendet?
Das Ovulum wird abends (am besten liegend) tief in die Vagina eingeführt. In der Regel täglich über drei Wochen, dann Reduktion auf eine Erhaltungsdosis.
Für wen ist es geeignet?
Für Frauen, die die Anwendung ohne Applikator bequemer finden oder die hauptsächlich Beschwerden innerhalb der Scheide haben. Auch für Frauen, die sensibel auf die Hilfsstoffe der Creme reagieren, kann ein Wechsel auf die Ovula sinnvoll sein.
Intrarosa® 6,5 mg – ein Sonderfall: DHEA statt Östrogen
Hersteller: Endoceutics / Theramex
Wirkstoff: Prasteron (DHEA – Dehydroepiandrosteron) 6,5 mg pro Vaginalzäpfchen
Intrarosa gehört streng genommen in eine eigene Kategorie: Es enthält kein Östrogen, sondern einen Hormon-Vorläufer und das macht es einzigartig unter den lokalen Vaginaltherapien.
Was steckt drin und wie wirkt’s?
DHEA (Prasteron) ist ein inaktives Vorläufersteroid, das dein Körper noch vor der Menopause selbst produziert hat. Vaginal angewendet dringt es in die Vaginalzellen ein und wird dort, je nach Bedarf der Zelle, lokal in kleine Mengen Östrogene und Androgene (z.B. Testosteron) umgewandelt. Dieser Mechanismus nennt sich Intrakrinie und ist der entscheidende Unterschied zu allen anderen Präparaten auf dieser Liste.
Kurz: Statt Östrogen direkt zuzuführen, gibt Intrarosa den Zellen das Rohmaterial, aus dem sie selbst produzieren, was sie brauchen. Das führt zu einer lokalen Wirkung auf die Schleimhaut, ohne dass nennenswerte Hormonmengen ins Blut gelangen.
Wogegen hilft’s?
- Mittelschwere bis schwere Symptome vaginaler und vulvärer Atrophie
- Schmerzen beim Sex (Dyspareunie) – das ist die Hauptindikation, für die die EU-Zulassung erteilt wurde
- Scheidentrockenheit, Irritationen, Juckreiz im Genitalbereich
Wie wird’s angewendet?
Einmal täglich abends ein Zäpfchen vaginal einführen – kontinuierlich, solange die Symptome bestehen. Nach 12 Wochen ist in der Regel eine deutliche Verbesserung spürbar.
Für wen ist es eine Option?
Intrarosa ist besonders interessant für Frauen, die aus medizinischen Gründen kein direktes Östrogen verwenden möchten oder können, aber trotzdem eine wirksame lokale Therapie brauchen. Der duale Wirkmechanismus (Östrogen + Androgen) kann auch bei nachlassender Libido eine Rolle spielen – dazu laufen noch Studien.
Wichtig: Intrarosa sollte nicht gleichzeitig mit anderen lokalen Östrogenpräparaten oder systemischer Hormonersatztherapie verwendet werden – diese Kombination wurde bisher nicht ausreichend untersucht.
KATEGORIE 3: VAGINALTABLETTEN
Vaginaltabletten werden mit einem Applikator in die Vagina eingeführt, wo sie sich auflösen. Sie sind besonders präzise dosierbar und kommen ohne fettige Creme-Konsistenz aus.
Ein Vorteil gegenüber Fettzäpfchen: Vaginaltabletten haben eine andere Grundlage und schmelzen deutlich sauberer ohne den typischen weißlichen Schmelzausfluss, den manche Frauen bei Ovula als störend empfinden. Für viele ist das ein echtes Argument für diese Darreichungsform.
Vagifem® 10 µg
Hersteller: Novo Nordisk Pharma GmbH
Wirkstoff: Estradiol 10 Mikrogramm pro Tablette
Was steckt drin und wie wirkt’s?
Vagifem enthält Estradiol, das stärkste der natürlichen Östrogene und das Hormon, das die Eierstöcke während der reproduktiven Jahre hauptsächlich produzieren. Die Dosis von 10 Mikrogramm pro Tablette ist bewusst sehr niedrig gewählt, damit die Wirkung lokal bleibt und die systemische Aufnahme ins Blut minimal ist.
Estradiol ist bioidentisch mit dem körpereigenen Hormon und regt die vaginale Schleimhaut zur Regeneration an: Die Zellen teilen sich wieder, die Schleimhaut wird dicker und besser durchblutet. Gleichzeitig sinkt der vaginale pH-Wert. Eine klinische Studie zeigte, dass niedrig dosiertes vaginales Estradiol die menopause-bezogene Lebensqualität und sexuelle Funktion signifikant verbesserte.
Wogegen hilft’s?
- Vaginale Atrophie (dünne, trockene Schleimhaut)
- Scheidentrockenheit, Juckreiz, Reizungen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Östrogenmangel-bedingte Scheidenentzündung
Wie wird’s angewendet?
Phase 1 (Aufbauphase): 2 Wochen lang täglich eine Tablette mit dem Applikator in die Scheide einführen.
Phase 2 (Erhaltungsphase): Zweimal wöchentlich eine Tablette – immer mit 3–4 Tagen Pause dazwischen.
Für wen ist es geeignet?
Vagifem ist besonders für Frauen geeignet, die eine Tabletten-Form bevorzugen (kein Auslaufen, kein Fettgefühl) und gezielt vaginale Beschwerden behandeln möchten. Die Estradiol-basierte Wirkung kann bei manchen Frauen schneller und stärker wahrgenommen werden als bei Estriol-Präparaten.
Hinweis: Vagifem eignet sich nicht zur Behandlung von systemischen Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen, weil die Dosis zu gering und die Wirkung zu lokal ist.
Gynoflor®
Hersteller: Pierre Fabre Pharma GmbH
Wirkstoffe: Estriol 0,03 mg + Lactobacillus acidophilus 50 mg (Kulturlyophilisat mit mind. 10⁸ lebensfähigen Keimen) pro Tablette
Was steckt drin und wie wirkt’s?
Gynoflor ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal unter den Vaginaltherapeutika: Es kombiniert zwei Wirkmechanismen in einer Tablette.
1. Estriol (ultra-niedrig dosiert, 0,03 mg): Bringt der Vaginalschleimhaut genug Östrogen, damit die Zellen wieder Glykogen produzieren – den „Treibstoff“ für die Scheidenbakterien.
2. Lactobacillus acidophilus (lebende Milchsäurebakterien): Das sind die sogenannten Döderlein-Bakterien, die eine gesunde Scheide bevölkern. Sie ernähren sich vom Glykogen, produzieren daraus Milchsäure und senken so den pH-Wert der Scheide auf den schützenden sauren Bereich.
Kurz gesagt: Das Estriol schafft das Fundament, auf dem die Bakterien arbeiten können. Die Bakterien sorgen dann für das natürliche saure Milieu, das Infektionen verhindert. Ein cleveres Duo.
Wogegen hilft’s?
- Östrogenmangel-bedingte Scheidenentzündung nach den Wechseljahren
- Gestörte Vaginalflora (nach Antibiotika, Infektionen, Pilzbehandlungen)
- Anschlussbehandlung nach bakterieller Vaginose, Trichomoniasis oder Scheidenpilz, wenn Symptome (Ausfluss) persistieren
Wie wird’s angewendet?
Abends eine Tablette tief in die Scheide einführen und das 6 bis 12 Tage lang. Bei atrophischer Vaginitis danach eine Tablette 1–2 Mal pro Woche als Erhaltungsdosis. Bei trockener Scheide kann die Tablette vorher leicht mit Wasser angefeuchtet werden.
Für wen ist es geeignet?
Gynoflor ist besonders interessant für Frauen, die gleichzeitig unter vaginaler Atrophie und Infektionsneigung leiden (wiederkehrende Blasenentzündungen, Pilzinfektionen, bakterielle Vaginose). Der Probiotikaanteil macht es einzigartig und spricht Frauen an, die möglichst wenig Hormone verwenden möchten, denn die Estriol-Menge ist hier besonders niedrig.
KATEGORIE 4: VAGINALRING
Estring® 2 mg Vaginalring
Hersteller: Pfizer Pharma GmbH
Wirkstoff: Estradiol 2 mg Gesamtmenge im Ring; gibt kontinuierlich 7,5 Mikrogramm Estradiol pro 24 Stunden ab
Was steckt drin und wie wirkt’s?
Estring ist eine völlig andere Kategorie. Der Unterschied liegt nicht im Wirkstoff, sondern in der Darreichungsform. Ein milchig-durchscheinender Silikonring mit 5,5 cm Durchmesser wird ins hintere Scheidengewölbe eingeführt und bleibt drei Monate dort. In dieser Zeit gibt er kontinuierlich eine winzige, gleichmäßige Menge Estradiol ab.
Das klingt vielleicht erst ungewöhnlich, hat aber klare Vorteile: kein tägliches Eincremen, keine Applikator-Prozedur, keine Vergesslichkeit bei der Einnahme. Einmal einführen, drei Monate vergessen. Und weil die abgegebene Menge so gering ist, bleibt die systemische Aufnahme minimal und somit vergleichbar mit der von Vaginaltabletten.
Eine Besonderheit: Estring senkt den postmenopausal erhöhten pH-Wert der Scheide und kann ohne zusätzliches Gestagen verwendet werden, weil die Estradioldosis so niedrig ist, dass keine signifikante Wirkung auf die Gebärmutterschleimhaut erwartet wird.
Wogegen hilft’s?
- Scheidentrockenheit durch atrophische Vaginitis (mit oder ohne Vulvajuckreiz)
- Urogenitale Symptome des Östrogenmangels nach der Menopause
Wichtig: Estring eignet sich nicht zur Behandlung systemischer Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen oder zur Osteoporoseprophylaxe.
Wie wird’s angewendet?
Der Ring wird von dir selbst (oder deiner Ärztin) ins hintere Scheidengewölbe eingeführt und bleibt 90 Tage dort. Du solltest ihn nach dieser Zeit entweder durch einen neuen Ring ersetzen oder die Therapie beenden. Die empfohlene maximale Therapiedauer ohne Pause beträgt 2 Jahre.
Beim Sex muss der Ring nicht unbedingt entfernt werden. Wenn er stört, kann er kurz herausgenommen, mit lauwarmem Wasser abgespült und danach wieder eingesetzt werden.
Für wen ist es geeignet?
Estring ist ideal für Frauen, die keine Lust auf tägliche oder zweimal wöchentliche Anwendungen haben, einen unkomplizierten Alltag schätzen und rein lokale Beschwerden behandeln möchten. Auch für Frauen, die vergesslich sind oder reisen – einmal drin, dreimal im Jahr wechseln.
Was sollte ich wählen? Ehrliche Einschätzung
Alle Produkte auf dieser Liste haben eines gemeinsam: Sie wirken lokal, die systemische Hormonaufnahme ist minimal, und sie sind für die meisten Frauen gut verträglich. Trotzdem gibt es Unterschiede, die bei der Wahl eine Rolle spielen können:
Du magst Flexibilität beim Auftragen (auch außen)?
→ Vaginalcreme (OeKolp, Ovestin, Estriol Creme)
Du findest Cremes unpraktisch?
→ Ovula oder Vaginaltablette
Du willst möglichst selten an deine Therapie denken?
→ Estring Vaginalring
Du hast gleichzeitig Probleme mit der Vaginalflora?
→ Gynoflor (Estriol + Probiotikum)
Du bevorzugst Estradiol statt Estriol?
→ Vagifem oder Estring
Du möchtest kein direktes Östrogen oder hast Bedenken wegen systemischer Hormonwirkung?
→ Intrarosa (DHEA/Prasteron) – wirkt über einen anderen Mechanismus, ohne Östrogen direkt zuzuführen. Unbedingt mit deiner Ärztin besprechen.
Du hattest beim Zäpfchen Schmelzausfluss und willst das vermeiden?
→ Vaginaltablette oder Creme – beide haben eine andere Grundlage und verursachen keinen Schmelzausfluss.
Ein wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ist eine Produktübersicht – keine medizinische Beratung. Alle genannten Präparate sind verschreibungspflichtig und sollten nur nach Rücksprache mit deiner Gynäkologin verwendet werden. Gerade wenn du eine Vorgeschichte mit östrogenabhängigen Tumoren (z.B. Brustkrebs), Thrombosen, Leberproblemen oder ungeklärten Vaginalblutungen hast, ist das Gespräch mit deiner Ärztin nicht optional – es ist Pflicht.
Auch wenn die Risiken dieser lokalen Therapien deutlich geringer sind als bei einer systemischen Hormonersatztherapie: Dein individuelles Gesundheitsprofil zählt. Bitte lass das von einer Fachfrau beurteilen, die dich kennt.
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Quellen
- OeKolp® Creme: Wesentliche Informationen kompakt zusammengefasst (o. J.)
- OeKolp®-Creme (o. J.)
- Ovestin® 1 mg Creme (o. J.)
- OeKolp Ovula (2013)
- OEKOLP® Ovula, Creme, Tabletten (o. J.)
- Gynoflor (o. J.)
- Gynoflor (2017)
- Vagifem (2014)
- Vagifem (2025)
- ESTRING® (2026)
- Estring (o. J.)
- Estriol im Überblick (o. J.)
- Vaginal Estrogen for Genitourinary Syndrome of Menopause (2014)
- Quality of life and sexual function of naturally postmenopausal women on an ultralow-concentration estriol vaginal gel (2016)
- Efficacy and safety of an ultra-low-dose 0.005 % estriol vaginal gel in the prevention of urinary tract infections in postmenopausal women with genitourinary syndrome of menopause: A randomized double-blind placebo-controlled trial (2024)
- Effects of vaginal estradiol tablets and moisturizer on menopause-specific quality of life and mood in healthy postmenopausal women with vaginal symptoms: a randomized clinical trial (2018)
- Estriol: emerging clinical benefits (2017)
- The efficacy and safety of estriol to treat vulvovaginal atrophy in postmenopausal women: a systematic literature review (2017)
- The use of vaginal estriol and its effects on sexual intercourse and serum estriol levels in postmenopausal women (2025)

6 Kommentare
Super Information für die Frau mit entsprechenden Symptomen. Erleichtert mir die Aufklärungsarbeit in der gynäkologischen Praxis ungemein. Bleibt nur noch die gemeinsame Entscheidung.
Danke für eure Arbeit insgesamt. Ich bin jeden Sonntag gespannt und begeistert.
Liebe Monika,
wie toll. Danke für die Rückmeldung.
Ganz liebe Grüße
Susanne
Wieder super informativ und sauber recherchiert! Nehme definitiv die Info zum Estring mit zu meiner Gyn. Hatte meine Vaginalcreme überhaupt nicht vertragen und daher abgesetzt.
Klasse! Macht weiter so!
Danke, Melanie.
Hallo,
Ein richtig toller und hilfreicher Artikel zum Thema Hormoncremes! Vielen Dank!
Insgesamt ein klasse Newsletter mit so vielen wertvollen Tipps.
Freue mich immer drauf.
Viele Grüße Silke
Danke, Silke.