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SPREAD THE LOVE, BABY

Es geht voran zurück zur „Normalität“ von früher. Und die Frage, die ich mir selber gestellt habe, lautet: was nehme ich jetzt für mich aus diesem Ausnahmezustand der letzten 15 Monate mit? 

Eine Freundin sagt zu mir: „Ach, eigentlich hat mir die auferlegte Ruhe gut getan und jetzt … das Ganze Wieder-Leute-Treffen … das stresst mich irgendwie.“ Antworte ich: „Dann lass es doch, wie es jetzt gut für dich war.“ Überhaupt: eine schon verloren geglaubte Freundin ruft mich nach Jahren plötzlich aus dem Nichts wieder an. Die Freude ist riesig und wir reden, als hätten wir gestern gerade erst den Hörer aufgelegt – das allein ist ja schon eine ganze Geschichte für sich. Jedenfalls sagt sie: „Ich brauche nicht viele Freundinnen. Ich glaube, ich bin da nicht normal.“ Aber was ist schon normal?! Und überhaupt: ich gehöre auch eher zur Kategorie Sie-kann-sehr-gut-mit-sich-alleine-spielen. Immer schon. Der Punkt, wo ich dann denke, dass ich jetzt doch mal aufpassen muss, ist, wenn ich anfange, meine Selbstgespräche wahnsinnig interessant zu finden … Zum Glück habe ich eine Handvoll unerschrockener Freundinnen, die mich zum gemeinsamen Vergnügen zwingen (wie zum Beispiel London 2016). Und ich liebe es und frage mich dann, warum ich das nicht häufiger mache?!

Dass sich Frauen während der Perimenopause stärker zurückziehen, ist übrigens keine Seltenheit. Rein biochemisch gibt es dafür jedenfalls schon genug, was das Verhalten erklärt: der Rückgang von Östrogen sowie die insgesamt mit dem Hormonchaos verbundenen möglichen Beschwerden reichen aus, dass wir weniger Lust und Kraft haben, andere Menschen zu treffen.

Um allerdings Stress abzubauen, wäre genau das gegenteilige Verhalten für uns Frauen gut. Die amerikanische Psychologie Professorin Shelley E. Taylor hat die „Tend and Befriend“ Theorie entwickelt. 

SICH KÜMMERN UND ZUGEHÖRIGKEIT SUCHEN

Zum ersten Mal las ich bei Sara Gottfried von der „Tend and Befriend“ Theorie im Buch „Die Hormonkur„* – das Buch ist quasi der Vorgänger zum Buch „Die Hormon Diät„*. Die Theorie besagt, dass die klassische Reaktion auf Stress von Kampf oder Flucht („fight or flight“) zwar grundsätzlich für beide Geschlechter gilt, allerdings haben Frauen noch eine weitere Reaktion entwickelt, um mit Stress umzugehen. Während sich Männer – grob vereinfacht – eher schlagen oder sich zurückziehen, suchen Frauen unter Stress eher die Gesellschaft anderer und/oder sie kümmern sich um ihre Kinder. Ein Netzwerk von fürsorglichen, Stress abbauenden Beziehungen gab uns Frauen einen Vorteil, um zu überleben. Evolutionsbiologen führen dies auf die zur Zeit des Säbelzahntigers vorherrschende Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen zurück. Während Stress, den die Männer erlebten, eher durch die Jagd ausgelöst wurde, kümmerten sich die Frauen um ihre Kinder und um die Gemeinschaft. Und die Gemeinschaft gab ihnen Schutz oder sie konnten anderen in der Gruppe helfen, sich sicherer zu fühlen. Positives Feedback senkte dabei den Cortisol Spiegel bei Frauen und das tut es noch heute. Ein weiteres Hormon, welches in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielt, ist das Oxytocin. 

In Zeiten von Stress, auf ein Netzwerk von Freund:innen, Partner:innen und Familie zurückgreifen zu können, hilft uns mental und körperlich schneller wieder ins Lot zu kommen. Das wussten wir ja auch schon ohne die Theorie dahinter. Ich selbst finde nur spannend, was da auch biochemisch in unserem Körper abgeht und was für eine kleine, große Wundermaschine unser Körper ist. Man könnte auch sagen: „Die Natur hat immer noch einen Ass im Ärmel.“

Oxytocin ist „ein im Gehirn produziertes Hormon, welches eine wichtige Bedeutung unter anderem beim Geburtsprozess einnimmt, bei dem es die Gebärmutter dazu bringt, sich zusammenzuziehen und damit Wehen auslöst. Zudem stimuliert Oxytocin die Brustdrüsen zur Abgabe von Milch. Gleichzeitig beeinflusst es nicht nur das Verhalten zwischen Mutter und Kind sowie zwischen Geschlechtspartnern, sondern auch ganz allgemein soziale Interaktionen.“ (Quelle: Wikipedia). Oxytocin führt zu einem Rückgang des Stress-Hormons Cortisol. Und Östrogen verstärkt die Wirkung von Oxytocin.

Professor Taylor hatte nun folgende Hypothese aufgestellt und belegen können: Stress löst  insbesondere bei Frauen die Suche nach Zugehörigkeit aus. Wir bekommen sozusagen, genauso wie wir andere Grundbedürfnisse abdecken, unter Stress einen „Appetit“ für uns schützende und belohnende Beziehungen. Wenn wir dann positive Rückmeldungen bekommen, legt sich unser Stress. Wenn dieser Appettit jedoch nicht gestillt wird und wenn wir sogar auf uns feindselig gesinnte Menschen stoßen, dann verstärkt sich jedoch noch der Stress. 

 

Messen kann man das am Oxytocin Gehalt des Plasmas. Unter bestimmten Formen von Stress, z.B. Beziehungsstress, schüttet der Körper verstärkt Oxytocin aus. Das löst bei uns dann die Suche nach der Nähe zu Freundinnen oder zur Familie aus.

In Studien zeigten Frauen, die Konflikte in ihrem Sozialgefüge hatten, erhöhte Oxytocin Level im Blut. Je höher der Oxytocin Gehalt war, um so größer war die Wahrscheinlichkeit, dass diese Frauen reduzierten Kontakt mit ihren Müttern, ihren Freundinnen, ihren Tieren oder Gemeinschaften hatten, denen sie angehörten. Diejenigen aus dieser Gruppe mit erhöhten Oxytocin Leveln, die einen Partner bzw. eine Partnerin hatten, berichteten, dass diese bzw. dieser sie nicht unterstützte, wenig Verständnis zeigte und sich nicht kümmerte. Wenig Zuneigung zwischen Beziehungspartner:innen und überhaupt eine schlechte Beziehungsqualität waren auch mit erhöhten Oxytocin Werten verbunden.

Besonders interessant finde ich, dass erhöhte Oxytocin Werte nur bei Stress, der durch soziale Beziehungen ausgelöst wurde, nicht aber bei anderen Ursachen für Stress beobachtet werden konnte.

ABER IST OXYTOCIN NICHT DAS BINDUNGSHORMON?

Wie können einerseits hohe Oxytocin Level ein Biomarker für Sozialstress sein und gleichzeitig z.B. frisch gebackene Mütter in Verbindung mit dem Stillen hohe Oxytocin Werte haben. Oxytocin ist doch gut, oder? Was zunächst wie ein Gegensatz klingt, ist keiner. Es ist richtig, dass unser Körper z.B. Oxytocin ausschüttet, wenn wir uns umarmen oder wenn wir gestreichelt werden. Das wiederum erhöht die

Bindung zwischen zwei Menschen. Warum sind dann erhöhte Oxytocin Level ein Biomarker für Beziehungsstress? Professor Taylor hat dafür folgende Hypothese: es ist ein Unterschied, ob ich als Reaktion auf  eine Umarmung spontan Oxytocin ausschütte oder ob mein Körper bei empfundenem Sozialstress dauerhaft Oxytocin ausschüttet.  Unser Körper macht dies, um unser Handeln zu lenken. Wenn wir dadurch vermehrt die Nähe von Freundinnen suchen und wenn wir daraus positive Rückmeldungen bekommen, dann sinkt auch unser Oxytocin wieder auf ein normales Niveau. 

In Zeiten von Stress auf ein Support Netzwerk von Partner:in, Freund:innen und Familie zurückgreifen zu können, hilft uns also nicht nur mental, sondern auch körperlich. Okay, dass Freund:innen gut fürs Gemüt sind, fühlten wir ja schon, ohne die Theorie dahinter zu kennen. Ich finde nur besonders spannend, was da hinter den Kulissen in unserem Körper biochemisch abgeht. Und um die Brücke zum Anfang zu schließen, so sind Freund:innen, eine gute Partnerschaft und ein guter Draht zur Familie in den Zeiten der Wechseljahre ganz besonders wichtig. Verrückt nur, dass uns gerade jetzt das Hormon flöten geht, welches die Wirkung von Oxytocin verstärkt: Östrogen. 

Dass wir uns also vermehrt zurückziehen und weniger die Nähe andere suchen, kann auch damit zusammenhängen. Dr. Sara Gottfried verschreibt ihren Patientinnen, die vor allem unter den psychischen Symptomen der Wechseljahre leiden, daher einen wöchentlichen Spaziergang mit einer Freundin. „Tend and befriend“ sagt sie. Und es funktioniert tatsächlich. Du kannst also auch selbst dafür sorgen, dass du dein Stress Niveau herunterbringst. Und on top kannst du, durch mehr Körperlichkeit, mehr Umarmungen und Streicheleinheiten für kleine Oxytocin Schübe sorgen. Oxytocin ist das Feelgood Hormon, das Hormon der Liebe und könnten wir davon nicht alle etwas mehr gebrauchen? Gut, dass wir uns bald alle wieder in den Armen liegen dürfen. In diesem Sinne: Spread the love, Baby.

Okay, es ist auch Kaugummi Werbung. Aber wenn’s den Nerv trifft, ist es mir egal, wo es herkommt.

 

 

 

 

QUELLEN

Die Hormondiät*: Den Stoffwechsel regulieren und erfolgreich abnehmen durch Neustart des Hormonsystems

Die Hormonkur*: So bringen Sie ihren Hormonhaushalt natürlich ins Gleichgewicht

Taylor, Shelley E. „Tend and befriend: Biobehavioral bases of affiliation under stress.“ Current directions in psychological science 15.6 (2006): 273-277.

Interview mit Professor Shalley E. Taylor

 

 

 

 

 

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1 Kommentar

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Ulliantworten
06/06/2021 um 16:57

Liebe Susanne, fantastischer Artikel!! Vielen Dank, dass du das mit dem Oxytocin näher erklärt hast. Und die Kaugummi Werbung war der krönende Abschluss! Toll gemacht. LG
Ulli

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