Renate Kaiser hat aufgeschrieben, was sie beim Dating so alles erlebt hat. Herausgekommen ist das Buch: Ich date – also bin ich. Hier im Artikel liest sie auch sehr unterhaltsam aus einem Kapitel vor. 

Ich war Anfang 50 als mein damaliger Mann und ich uns nach 23 Jahren Ehe in beiderseitigem Einvernehmen trennten. In einem schleichenden Prozess hatten wir uns immer weiter auseinander gelebt. Zwei Jahre vor der Trennung krempelte ich mein Leben um, heute im Nachhinein eine Entwicklung, die mit der beginnenden Menopause zusammenhing, das war mir damals jedoch überhaupt nicht bewusst. Ich stellte meine Ernährung um, ging regelmäßig ins Fitnessstudio und fing mit dem Joggen an. Nach neun Monaten war ich 25 Kilogramm leichter. Ich veröffentlichte zwei Jugendromane, ging auf Lesereisen und begann ein für mich in vielerlei Hinsicht neues Leben.

Nach meiner Trennung war mir schnell klar, dass ich gerne wieder eine Partnerschaft eingehen wollte. Aber wo sollte ich einen Mann kennenlernen? Der Freundeskreis und der Kollegenkreis schied für mich aus. Die Männer im Fitnessstudio waren mir entweder viel zu jung oder deutlich zu alt oder sie lebten in einer anderen Welt, in der der Fitnessfreaks.

Meine Messlatte bei der Auswahl der Männer hing sehr hoch. Er sollte mindestens 1,85 m groß sein, da ich selbst fast 1,80 m bin, Nichtraucher, sportlich, kulturell interessiert, gebildet, empathisch, reisefreudig und bitte ohne emotionale Altlasten. Aber wo sollte ich ihn finden? Was blieb, waren die Partnerbörsen. Ich ließ mir professionelle Fotos in einem Studio machen, füllte ellenlange Fragebögen zur Ermittlung eines Partnerprofils aus, zahlte die Jahresgebühr und war Mitglied in einer der großen Partnerbörsen, in der sich alle paar Minuten ein Mensch verliebt … na ihr wisst schon 🙂

Und dort und auch auf zahlreichen anderen Online-Dating-Plattformen traf ich in knapp sechs Jahren unzählige Männer. Unzählig ist durchaus wörtlich zu nehmen, ich habe keine Tabellen oder Listen mit meinen Dates geführt, habe aber einmal grob überschlagen und es müssen tatsächlich über 250 reale Begegnungen zum Kaffeetrinken, Spazierengehen, Essengehen usw. gewesen sein. Es gab Zeiten, da hatte ich an einem Wochenende fünf Dates, 1x am Freitag und 2x am Samstag und Sonntag. Das Daten entwickelte sich zu einer regelrechten Sucht, kaum war ich nach der Arbeit wieder zuhause, chattete oder telefonierte ich oder traf mich mit Männern. Ich fühlte mich wie in einem riesigen virtuellen Partner(kauf)haus, in der alle auf der Suche nach dem optimalen Partner waren, immer getrieben von dem Gedanken, ob es bei der vermeintlich riesigen Auswahl nicht noch einen attraktiveren Partner geben könnte. Manchmal gerieten die Informationen in den Parallelchats am Abend auch schon einmal durcheinander und ich schrieb die Männer aus Versehen mit dem falschen Namen an oder verwechselte die Namen ihrer Kinder.

Ich traf Männer, die mit Mitte 50 noch bei ihrer Mutter lebten, begegnete Männern, die eine Drittfrau!!! suchten, ein Mann kaufte mir zu unserem ersten Treffen ein paar Loubutins, ihr wisst schon, die Highheels mit der roten Sohle und wollte, dass ich diese auf der Stelle anziehe, ein anderer Mann schickte mir ein Flugticket und lud mich in seine Luxuswohnung mit Blick auf den Zürichsee ein.

eine Frau mit langen schwarzen Haaren, die auf dem Bett liegt und mit dem Handy SMS schreibt

Dann kam Corona … und der erste Lockdown. Von heute auf morgen aus dem Leben gerissen, nur noch Homeoffice, keine Dates mehr. Ich beschloss, meine spannendsten Begegnungen aufzuschreiben und sie als Buch zu veröffentlichen. Während des Schreibens habe ich sehr viel über mich gelernt, über mein Beuteschema und welchen Einfluss mein Vater auf die Wahl meiner Partner hat, sogar heute noch, obwohl er schon vor fast 20 Jahren verstorben ist. Ich stellte im Nachhinein fest, wie geduldig und tolerant ich gewesen war und wie häufig ich – mal wieder – meine eigenen Bedürfnisse hinten an gestellt hatte, um zu gefallen. Andererseits erhielt ich von zahlreichen Männern Feedbacks, dass ich ihnen zu selbstbewusst sei, zu quirlig und aktiv. Das machte mich einerseits nachdenklich, zeigte mir aber auch, dass mir der richtige Mann noch nicht begegnet war. Ich wollte mir ja schließlich kein geistiges oder körperliches Downgrade verpassen. Mit unerschütterlichem Optimismus suchte ich also weiter. Und irgendwann wurde mir sein Profilbild präsentiert und ich dachte nur: WOW! Unsere Chats entwickelten sich rasant, das erste Telefonat dauerte 2,5 Stunden und beim ersten Treffen war klar. Das ist er! Seit mittlerweile zwei Jahren sind wir zusammen, seit einem Jahr leben wir in einer gemeinsamen Wohnung und genießen jeden Tag miteinander. Es fühlt sich so gut und so richtig an.

Hier gebe ich noch eine kleine Kostprobe aus meinem Buch:

TIPPS FÜRS ONLINE DATING

  1. Hier noch ein paar Tipps von mir, falls ihr noch keine Erfahrungen im Online-Dating habt:
    Unbedingt vorm ersten Date telefonieren – das erspart euch viele Enttäuschungen und macht etliche Dates überflüssig.
  2. Beim ersten Date besser nur zum Spaziergang oder auf ein Getränk verabreden, falls es gut läuft, könnt ihr immer noch verlängern.
  3. Bitte keine alten Bilder hochladen oder Filter benutzen – beim Date kommt alles raus! Das gilt übrigens auch für die Männer 🙂
  4. Lasst euch nicht hinhalten, wenn eine Verabredung abgesagt wird – sofort Kontakt löschen, das wird nix mehr!
  5. Hört auf euer Bauchgefühl, wenn euch etwas seltsam vorkommt, vertraut eurer Intuition.
  6. Drängt auf ein möglichst zeitnahes Date – sonst steigern sich eure Erwartungshaltungen und ihr idealisiert den Unbekannten.

Wollt ihr mehr über meine Online-Dating-Abenteuer erfahren?
“Ich date, also bin ich” gibt’s bei Amazon für 14,98 Euro oder ihr bestellt es direkt bei mir unter www.renate-kaiser.de, dann erhaltet ihr ein Buch mit persönlicher Widmung.

Wie sind eure Erfahrungen beim Online-Dating?