Du hast starke Periodenblutungen und verlierst bei deiner Periode so viel Blut, dass du dich fragst, ob das noch normal sein kann. Du wechselst stündlich die Binde. Du bist erschöpft, blass, kaum leistungsfähig. Und vielleicht hast du auch schon gehört: Das könnte mit der Schilddrüse zusammenhängen. Oder mit Jod. Oder mit Hashimoto. Oder mit allem dreien, je nachdem, welchem Forum oder welchem Instagram-Account du gerade folgst.

Die Verwirrung ist verständlich. Denn die Zusammenhänge zwischen starken Periodenblutungen und der Schilddrüse sind real, aber komplizierter als „Jod hilft gegen starke Blutungen“. Was dahintersteckt, was die Wissenschaft sagt und warum man bei Hashimoto aufpassen sollte, wenn jemand Jodpräparate empfiehlt: darum geht es in diesem Artikel.

Erstmal klären: Hashimoto, Schilddrüsenunterfunktion oder beides?

Bevor wir ins Thema einsteigen, ein wichtiger Unterschied, der oft durcheinandergeworfen wird:

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet: Das Immunsystem greift fälschlicherweise die eigene Schilddrüse an und baut das Gewebe Schritt für Schritt ab. Das kann, muss aber nicht sofort zu einer Unterfunktion führen. Manche Menschen mit Hashimoto haben jahrelang normale Schilddrüsenwerte.

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist der funktionelle Zustand, bei dem die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone produziert. Sie kann zwar durch Hashimoto entstehen, ist aber nicht automatisch dasselbe. Hypothyreose kann auch durch Jodmangel, eine Schilddrüsenoperation oder andere Ursachen ausgelöst werden.

Und starke Periodenblutungen? Die hängen in der Forschung primär mit der Hypothyreose zusammen, also mit dem Hormonmangel, nicht direkt mit dem Autoimmunprozess selbst. Da Hashimoto die häufigste Ursache einer Hypothyreose in westlichen Ländern ist, sind Frauen mit Hashimoto natürlich trotzdem häufig betroffen, eben dann, wenn ihre Schilddrüse durch die Erkrankung nicht mehr ausreichend Hormone produziert.

Kurz gesagt: Starke Periodenblutungen können bei beiden vorkommen, aber der auslösende Mechanismus ist die Schilddrüsenunterfunktion, nicht Hashimoto per se.

Was hat Jod überhaupt mit deiner Periode zu tun?

Jod ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das der Körper braucht, um Schilddrüsenhormone herzustellen. Fehlt es über längere Zeit, kann die Schilddrüse nicht mehr ausreichend Hormone produzieren: Es entsteht eine Hypothyreose.

Die Folgen eines Jodmangels sind gut belegt: Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit, Stimmung, emotionalen Stabilität und sogar Schwierigkeiten beim Abnehmen. Besonders die psychischen Effekte und ihre Tragweite werden oft unterschätzt. Eine gute Versorgung mit Jod ist also sehr wichtig für den Körper. Dazu gehört auch, dass umsichtig mit fluoridhaltigen Mundspülungen und Zahnpasta umgegangen wird, denn Fluorid hemmt die Aufnahme von Jod in den Körper.

Und eine Hypothyreose kann tatsächlich starke Periodenblutungen verursachen. Aber der Weg dorthin ist indirekt: Es ist nicht das fehlende Jod selbst, das die Blutungen verursacht, sondern die daraus folgende Hormonstörung.

Was passiert bei Schilddrüsenunterfunktion im Körper?

Schilddrüsenhormone beeinflussen den Stoffwechsel. Kein Wunder, dass eine unerkannte Hypothyreose oft mit Gewichtszunahme einhergeht. Sie wirken aber auch auf Herzfrequenz und Herzleistung, auf den Hormonhaushalt sowie auf das Blutgerinnungssystem.

Bei einer Hypothyreose können zwei wichtige Gerinnungsproteine absinken: der Von-Willebrand-Faktor und der Faktor VIII. Das Blut gerinnt dann schlechter. Die Folge: Die Periode wird stärker und länger, weil die natürliche Blutstillung in der Gebärmutterschleimhaut nicht mehr so gut funktioniert. Mehrere Studien haben genau diesen Mechanismus dokumentiert.

Wie häufig kommt das vor? Laut einer prospektiven Studie von Krassas et al. (1999) mit 171 Patientinnen entwickelten etwa 23 % der Frauen mit Hypothyreose Menstruationsstörungen, darunter sowohl seltene als auch besonders starke Blutungen. Neuere Übersichtsarbeiten nennen ähnliche Zahlen, wobei die genaue Rate je nach Studienpopulation und Definition variiert. Ältere Lehrbücher sprachen von bis zu 50–70 %. Die niedrigeren Zahlen in neueren Studien erklären sich wahrscheinlich damit, dass Hypothyreose heute früher erkannt und behandelt wird.

Was zeigen die Studien konkret?

Der Gerinnungs-Mechanismus: gut belegt

Mehrere Studien zeigen, dass Hypothyreose, die auch durch Hashimoto ausgelöst werden kann, die Blutgerinnung direkt beeinträchtigt:

Eine Untersuchung mit 10 hypothyreoten Patientinnen (Erfurth et al. 1995) zeigte vor der Behandlung verlängerte Blutungszeiten sowie erniedrigte Von-Willebrand-Faktor- und Faktor-VIII-Spiegel. Nach der Behandlung mit Schilddrüsenhormonen normalisierten sich die Gerinnungsparameter, allerdings dauerte es bis zu sieben Monate, bis sich auch die Blutungszeiten signifikant verbesserten.

Klinische Studien: Auch leichtere Hypothyreose kann Blutungen verursachen

Zwei ältere klinische Studien sind hier besonders aufschlussreich:

Wilansky & Greisman (1989) untersuchten 67 Frauen mit Menorrhagie (also eine Monatsblutung, die zu stark ist und zu lange dauert, in der Regel länger als 7 bis 8 Tage), die äußerlich gesund wirkten. Bei 22 % fanden sich erhöhte TSH-Werte: Ein Zeichen für eine frühe, unerkannte Hypothyreose. Nach Behandlung mit L-Thyroxin verschwanden die starken Blutungen bei allen betroffenen Frauen innerhalb von 3 bis 6 Monaten und kehrten in den Folgejahren nicht zurück. Wichtig: Die Studie umfasste nur 67 Frauen und stammt aus den 1980er-Jahren. Die 22-%-Zahl ist kein allgemeiner Bevölkerungsrichtwert, sondern ein Hinweis darauf, dass eine unerkannte Schilddrüsenstörung gelegentlich hinter hartnäckigen Menorrhagien stecken kann.

Blum & Blum (1992) verglichen 40 Frauen mit starken Periodenblutungen mit 38 Kontrollpersonen: der TSH-Wert war in der Gruppe mit starken Blutungen signifikant höher. Frauen mit einer verdeckten, milden Form der Schilddrüsenunterfunktion zeigten unter L-Thyroxin eine deutliche Besserung ihrer Blutungen innerhalb von drei Monaten.

Was hilft bei starken Periodenblutungen durch Schilddrüsenunterfunktion?

Hier ist die Aussage der Wissenschaft eindeutig: Nicht Jod-Supplemente, sondern Levothyroxin, ein synthetisches Schilddrüsenhormon, ist die wirksame Therapie.

Die Normalisierung unter Levothyroxin ist ein schrittweiser Prozess: Einzelne Gerinnungsparameter können sich in den ersten Wochen verbessern, klinisch spürbare Veränderungen des Zyklus treten in der Regel erst nach mehreren Wochen bis Monaten ein. Einzelne Fallberichte beschreiben eine frühere Besserung. Dies sind jedoch Ausnahmen unter besonders günstigen Bedingungen.

Eine bloße Jod-Einnahme würde hier nicht ausreichen. Denn eine bestehende Hypothyreose braucht gezielte medizinische Behandlung, keine Nahrungsergänzung – und bei Hashimoto ist Jod sogar mit Vorsicht zu betrachten.

Jod, HASHIMOTO & Schilddrüse

Nahrungsjod ist bei Hashimoto ein sensibles Thema. Eine unkontrollierte Jod-Supplementierung kann die Autoimmunreaktion verstärken und die Schilddrüse weiter schädigen. Daher bitte keine Jod-Präparate auf eigene Faust einnehmen, wenn man Hashimoto hat oder es vermutet wird.

Was ist, wenn keine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt?

Starke Periodenblutungen können viele Ursachen haben, darunter Myome, Hormonstörungen, Gerinnungsdefekte oder eine Spirale. Die Schilddrüse ist eine wichtige und leicht überprüfbare Ursache, aber nicht die einzige.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Jodmangel kann eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) verursachen und ist wissenschaftlich gut belegt.
  • Hypothyreose kann starke Periodenblutungen auslösen: bei etwa 23 % der betroffenen Frauen kommt es zu Menstruationsstörungen (Krassas et al. 1999; neuere Übersichtsarbeiten bestätigen ähnliche Größenordnungen).
  • Der Mechanismus ist eine Gerinnungsstörung: Hypothyreose senkt Von-Willebrand-Faktor und Faktor VIII, sodass das Blut schlechter gerinnt.
  • Bei Hashimoto passiert dasselbe, aber erst, wenn die Schilddrüse tatsächlich nicht mehr gut funktioniert. Der Autoimmunprozess selbst verursacht keine starken Blutungen; der Hormonmangel tut es.
  • Levothyroxin behebt die Blutungen, was mehrere klinische Studien und Fallberichte zeigen. Die Besserung tritt in der Regel nach mehreren Wochen bis Monaten ein.
  • Jod-Supplemente als direkte Behandlung sind wissenschaftlich nicht belegt. Es gibt keine klinischen Studien, die das unterstützen.
  • Bei Hashimoto sollten Jodpräparate nur nach ärztlicher Absprache eingenommen werden.
  • Neben einer Unterfunktion der Schilddrüse gibt es viele weitere Ursachen für starke Blutungen.

Was solltest du tun?

Wenn du unter besonders starken oder lang anhaltenden Regelblutungen leidest, lohnt sich ein einfacher Bluttest: Bitte deine Ärztin, TSH und fT4 bestimmen zu lassen. Das schafft schnell Klarheit darüber, ob deine Schilddrüse hinter den Beschwerden steckt.

Dieser Artikel soll dir als Informationsquelle dienen. Er ersetzt nicht das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Bevor du auf eigene Faust handelst, gehe bitte zu deiner Ärztin des Vertrauens und lasse dich dort beraten.

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