Konzentrationsprobleme? Vergesslichkeit? Das Gefühl von zähem Nebel im Kopf, der keinen klaren Gedanken zulässt? Das ist in den Wechseljahren kein Zeichen für eine beginnende Demenz, sondern eine Begleiterscheinung der Hormonumstellung. Zwei von drei Frauen leiden in der Perimenopause (in den Wechseljahren) an Brain Fog. Weil kognitive Probleme so typisch für die Wechseljahre sind, ist im US-amerikanischen Sprachraum sogar vom „Meno Brain“ die Rede. 

„Ich habe mit dem Theater angefangen und es so sehr geliebt. Und ich glaube, ich habe zu lange pausiert – die Angst ist zu groß. Oh Gott. Ich habe das Gefühl, dass ich dabei jetzt so tief fallen könnte. Und dann ist da noch mein Gehirn in den Wechseljahren und die Angst, dass ich mich nicht mehr an ein ganzes Stück erinnern kann.“

– Olivia Colman

Wie der Östrogenrückgang in den Wechseljahren das Gehirn beeinflusst

Grund für den Brain Fog in den Wechseljahren  ist der Rückgang des Östrogenspiegels. Im Gehirn sitzen zahlreiche Östrogen-Rezeptoren. Über diese Andockstellen steuert das Hormon unter anderem den Energiestoffwechsel des Gehirns: Östrogen fördert die Aufnahme und die Verbrennung von Glukose in den grauen Zellen. Dadurch steigt kurzfristig die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Außerdem verlängert das weibliche Geschlechtshormon die Lebensdauer der Nervenzellen und regt sie zum Wachstum und zur Bildung neuer Verknüpfungen an. Auch die Aktivität verschiedener Neurotransmitter steht unter dem Einfluss von Östrogen. Im Gehirn wird es in geringen Mengen sogar an Ort und Stelle produziert. 

Verstärkt wird der hormonbedingte Brain Fog oft durch Schlafprobleme, unter denen viele Frauen in den Wechseljahren leiden. Auch Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen scheinen das Problem zu intensivieren. Flüssigkeitsmangel kann zusätzlich das Gehirn vernebeln, ebenso eine Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen wie Vitamin B12 oder Eisen. Darüber hinaus gibt es einige Erkrankungen, die das Risiko von kognitiven Problemen erhöhen – etwa Diabetes, Depressionen, Schilddrüsenunterfunktion, Long Covid, Alkoholmissbrauch oder Schwerhörigkeit. Das Gleiche gilt für eine hohe Stressbelastung oder die Einnahme mancher Medikamente.

Typische Symptome von Brain Fog in den Wechseljahren

Gehirnnebel rund um die Menopause kann sich durch unterschiedliche Symptome äußern. Dazu gehören:

  • Vergesslichkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • langsameres Denken
  • Wortfindungsstörungen
  • Schwierigkeiten, komplexe Zusammenhänge zu verstehen
  • kürzere Aufmerksamkeitsspanne
  • Gefühl der Verwirrung
  • Orientierungsschwierigkeiten
  • mentale Erschöpfung

 

Nicht bei jeder Frau äußert sich das „Meno Brain“ gleich: Die eine leidet eher darunter, dass sie sich kaum mehr konzentrieren kann, die andere vergisst permanent, wo sie ihre Lesebrille oder ihre Schlüssel hingelegt hat. Belastend ist der Zustand in jedem Fall – ganz besonders für Frauen, die einen geistig anspruchsvollen Job haben.

Was hilft gegen Brain Fog in den Wechseljahren?

Viele Frauen, die sich zum Beispiel wegen ihrer Hitzewallungen und anderer Beschwerden für eine bioidentische Hormontherapie entschieden haben, machen die Erfahrung, dass sich dadurch auch der Gehirnnebel lichtet. Wissenschaftliche Studien, die das belegen könnten, fehlen aber aktuell noch.

Das bringt das Gehirn in Schwung:

  • Viel trinken: mindestens 1,5 Liter am Tag, am besten Wasser, Tee oder stark verdünnte Fruchtsaftschorlen
  • Viel Bewegung an der frischen Luft: Das verbessert die Sauerstoffversorgung des Gehirns, die Durchblutung und den Stoffwechsel.
  • Ausreichend Schlaf
  • Ungesättigte Fettsäuren: Wichtig für das Gehirn sind insbesondere Omega-3-Fettsäuren, zum Beispiel in Nüssen, Leinöl und fettem Meeresfisch
  • Gesunde, nährstoffreiche Ernährung 
  • Stressmanagement: Meditation, Yoga oder Entspannungsübungen können helfen, Stress abzubauen und die geistige Klarheit zu verbessern.

Nach der Menopause lichtet sich der Nebel

Die gute Nachricht: Die geistige Umnachtung in der Perimenopause ist kein Dauerzustand. Sobald sich der Gehirnstoffwechsel auf die niedrigeren Östrogenspiegel eingestellt hat, funktioniert er wieder besser. Studien belegen, dass der Gehirnnebel im ersten Jahr nach der Menopause (der endgültig letzten Monatsblutung) seinen Höhepunkt erreicht. Danach lichtet er sich wieder.

Mit Demenz hat das „Meno Brain“ also nichts zu tun. Der Gehirnnebel in den Wechseljahren ist auch kein Vorbote einer Alzheimer-Erkrankung. Aber: Langfristig kann der Rückgang des Östrogenspiegels leider tatsächlich die Bildung von Eiweißablagerungen im Gehirn fördern – wenn die Frau eine entsprechende Veranlagung dazu hat. 

Diese sogenannten Amyloid-Plaques gelten als Ursache für die Alzheimer-Erkrankung, die häufigste Form von Demenz. Daran leiden mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer. Besonders hoch ist das Erkrankungsrisiko bei Frauen, die sehr früh in die Wechseljahre gekommen sind, zum Beispiel durch eine Eierstockentfernung. 

Schützt die Hormontherapie vor Demenz?

Einige Studien deuten darauf hin, dass man der Entwicklung von Alzheimer mit einer Hormontherapie gegensteuern kann. Eine aktuelle Metaanalyse zeigte für Frauen, die in mittleren Lebensjahren mit einer reinen Östrogentherapie anfingen, ein um mehr als 30 Prozent geringeres Demenzrisiko. Diese Form der Behandlung kommt aber nur für Frauen infrage, die keine Gebärmutter mehr haben. Bei Frauen, die zum Östrogen auch Progesteron oder ein anderes (nicht bioidentisches) Gelbkörperhormon bekamen, ergab sich eine nicht signifikante Risikoreduktion: Diese könnte statistisch also dem Zufall geschuldet sein – denn die Bandbreite der Ergebnisse in den einzelnen Studien war sehr groß und schloss auch eine Erhöhung des Risikos ein. Begann die Hormontherapie erst im höheren Alter oder mehr als zehn Jahre nach der Menopause, schien das die Entwicklung einer Demenz eher zu fördern.

Das große Manko der bisher verfügbaren Daten: Sie beruhen überwiegend auf Studien mit älteren Hormonpräparaten, die die Frauen oft erst nach der Menopause und in vergleichsweise hohen Dosierungen einnahmen. Mit modernen bioidentischen Hormonen könnten die Ergebnisse besser aussehen. Dafür spricht vieles – einen eindeutigen Nachweis gibt es aber bisher nicht. Die medizinischen Leitlinien empfehlen die Hormontherapie zur Vorbeugung von Alzheimer oder anderen Demenzformen deshalb nicht.

Clara Wildenrath von WECHSELleben.de