30.000 Schritte am Tag – die verhüllte Pont Neuf von JR erleben
30.000 Schritte am Tag, die Pont Neuf und das beste tartelette au citron méringuée meines Lebens: Das ist die Kurzfassung meines Paris-Trips. Wobei, so kurz war er gar nicht. Drei Nächte und dank perfekter Flugzeiten vier volle Tage. Da vergisst man die ultrakurze Nacht (wer braucht schon Schlaf?) zum Glück ganz schnell wieder. Monsieur F und ich kosten die sommerlichen Tage voll aus, natürlich auch kulinarisch. Doch der Reihe nach. Denn der Anlass für diese – ich nenne es mal „spontan geplante“ – Reise waren diesmal nicht die unzähligen Köstlichkeiten, die mich regelmäßig in die capitale meines Herzenslandes reisen lassen, nein, es war die Pont Neuf, vielmehr die von JR verkleidete Pont Neuf. Als Hommage an Jeanne Claude und Christo, die die älteste Brücke über die Seine in Paris bereits 1985 verhüllt hatten, verwandelte der französische Fotograf und Künstler die Brücke im Juni 2026 in eine urbane Höhle. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen, denn das Werk von JR fasziniert uns schon lange. Angesichts des zu erwartenden großen Andrangs (ich sag nur: letzter Tag) versorgten wir uns mit knusprigen, fruchtigen Tartelettes, die uns die lange Wartezeit versüßten.
Dann endlich: Einlass! Wir wandeln mit vielen anderen durch die eingekleidete Brücke. Mein Eindruck? Von außen so viel imposanter. Aber schau selbst:
Feine Pâtisserie, Kunst und zufällige Entdeckungen zu Fuß durch Paris
Die Tartelettes waren nicht die einzigen der Reise, denn wenn ich in Paris bin, dann gehören unzählige Pâtisserie-Besuche natürlich dazu, ich suche schließlich immer Inspiration… und gutes Essen! Und ein bisschen Futter braucht man auch, um Paris zu erkunden, denn: 30.000 Schritte. Am Tag, bien sûr. Das ist meine Art, eine Stadt kennenzulernen. Kleine Memo an mich: Nächstes Mal quetsche ich den Fahrradhelm in das Handgepäck, dann leihe ich mir ein vélib aus und radele durch die Stadt. Hab ich schon mehrfach gemacht, bringt großen Spaß und wird immer besser, dank der in kurzer Zeit größtenteils gut ausgebauten Fahrradwege. Hamburg, da kannst du dir eine dicke Schnitte von abschneiden! Ohne Helm heißt’s laufen, laufen, laufen… und zwischendurch und für längere Strecken natürlich Bus und Métro nehmen. Schon wenn ich die Treppen in einer Métrostation runtergehe, setzt bei mir das typische Paris-Gefühl ein, dazu kommen der unverkennbare Geruch und die Geräusche der einfahrenden Bahnen. Mich macht das glücklich.
Beim Gehen gibt’s unendlich viel zu entdecken, neben ganz viel street art an den Fassaden lustige Zufallsfunde:
Sportlich, gut geschützt und verschwitzt. Die canicule, die ganz große Sommerhitze, ist zwar gerade vorbei, aber heiß ist es immer noch.
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Ebenso ein Gang zum Laden von Macon & Lesquoy, die filigranen kleinen gestickten Kunstwerke zum Anstecken begeistern mich schon lange. Dieses Mal habe ich mir die Rote Bete geschenkt, ist schließlich eins meiner absoluten Lieblingsgemüsesorten.
Noch so ein liebgewonnenes Ritual: Ein Spaziergang über den Marché d’Aligre, um uns mit gutem Kaffee, Croissants und frischem Obst zu stärken und zu gucken, was die Trödler anbieten. Bei schönem, altem Geschirr muss ich mich echt zurückhalten!
Kunst gab es diesmal auch reichlich. Die Retrospektive des argentinischen Künstlers Leandro Erlich im Grand Palais hat uns kurz in andere Welten entführt. Ehrlich gesagt hatte ich von ihm noch nie gehört, aber sein Spiel mit unserer Wahrnehmung und unseren Gewissheiten verwirrt, fasziniert und fordert uns zum aufmerksamen Beobachten auf (merci für den Tipp, Carolin).
Ein Besuch der Fondation Louis Vuitton lohnt sich ja allein schon wegen der spektakulären Architektur von Frank Gehry. Wir hatten das große Glück, die Alexander Calder-Retrospektive besuchen zu können. Die zeigt so viel mehr als die bekannten Mobiles und hat uns nachhaltig beeindruckt. Ganz, ganz große Empfehlung!
Und da wir um die Ecke waren, gleich noch kurz in die bourse de commerce. – Pinault collection und in ein erfrischendes Kunstwerk eingetaucht.
Ein Palais de la Femme wünsche ich mir übrigens für jede Stadt. Das ikonische Gebäude mit seinem klingenden Namen ist eins der ersten Frauenhäuser überhaupt. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im 11. Arrondissement von einer Frau für die Heilsarmee gegründet und bietet bis heute Frauen in schwierigen Lebenslagen ein sicheres Zuhause auf Zeit. So wichtig!
Was hab ich noch entdeckt? – Kulinarische Geheimtipps in Paris
Spannende Gastro-Konzepte: Naturwein trifft Eis im 11. Arrondissement. Hip, voll, international, wir hatten einen Platz am Ventilator ergattern können, bei der Hitze nicht das Schlechteste.
Sürpriz, der mit le vrai döner kebab berlinois und mit „Döner macht schöner“ angepriesen wird. Frankreich, wir müssen reden!
Wir ziehen eine frische Ceviche und mariniertes Sommergemüse im sharing-style vor, genau das richtige bei der Hitze.
Gutes chinesisches Essen zum Lunch, durch Zufall daran vorbeigeschlendert. Ich sag’s ja, beim Gehen durch die Viertel einfach die Augen offenhalten. Wir haben ordentlich Gemüse bestellt, das fehlt mir immer schnell, wenn ich unterwegs bin.
Einen wunderschönen Abend haben wir in einem kleinen Bistro im eher untouristischen Teil von Montmartre verbracht. Da gab‘s sogar ein Veggie-Menü, das uns Teller für Teller begeistert hat.
Und dann war da ja noch das eingangs erwähnte, ultimative tartelette au citron méringuée. Das hab ich auf Empfehlung gefunden (merci, Rémi, von parici.de). Das lässt einen beim Bezahlen mal kurz stutzen, ist aber jeden Cent und jeden Weg ins 17. Arrondissement wert. Und ist plein coeur gebacken, voller Liebe, das schmeckt man Bissen für Bissen.
Zum Abschluss unseres Trips ein spontanes Picknick im Jardin du Luxembourg, das geht so bei uns: Einen kleinen Supermarkt ansteuern, aus den Kühlschränken ein paar Salate nehmen, einen guten Käse aussuchen, ein wiederverwertbares Besteck dazu kaufen (weil wegen des Handgepäcks das geliebte Laguiole-Messer zu Hause bleiben musste). Bei der Boulangérie ein knuspriges Sauerteigbaguette holen, nach freien Stühlen und einem schattigen Plätzchen suchen und dann das schlichte, aber uns glücklich machende Essen genießen, mit Blick ins Grüne. Oder die müden Beine hochlegen, die Augen schließen und von einer Wohnung in Paris träumen, sei sie auch noch so klein.
Und dann noch einmal zur Pont Neuf, bevor es wieder nach Hamburg geht – ich vermisse dich jetzt schon, du inspirierende Stadt. Bis ganz bald, au revoir.
Anne-Katrin
P.S.: Anbei die Adressen
frische Ceviche und mariniertes Gemüse
das beste tartelette au citron méringuée meines Lebens
Anmerkung der Redaktion: Anne-Katrin Weber ist Co-Autorin unseres Kochbuchs, was im Brandstätter Verlag im August erscheint und sie ist Autorin von über 30 Kochbüchern. Ihr neuestes Kochbuch: Meine grüne französische Bistro-Küche
Lieblingsrezepte für jeden Tag ist just im at Verlag erschienen.
P.S.: Noch mehr Lust auf Paris? Hier findest du weitere Paris Tipps aus der Community.

2 Kommentare
Was mich interessieren würde: wo bekommt man denn nun die ultimative tartelette au citron méringuée? Und die übrigen Restaurants wären auch schön gewesen.
Guter Punkt. Wir haben eben unten die Links eingebaut.